Kampagne: Den besten Kraken sieht man nicht - Danyal Khaye

  • Ich bin sicher, dass Thar Hanum dir seine Uniform bei eurem nächsten Treffen in aller Genauigkeit präsentieren wird, wenn du danach fragst. Ich kann ihn auch gerne darauf hinweisen, dass du soviel Gedankenplatz in ihn investierst. Aber du kannst ihn ja auch versuchen, über das Netz zu finden oder ich kann ihm deine Kontaktdaten geben, wenn du das willst. Das wird ihm in seinem neuen Aufgabenbereich sicher helfen; da werdet ihr sicher öfter zusammentreffen, vor allem da er für seine bisherigen Aufgaben so unfassbar verschwendet ist. Vielleicht sollte ich dabei verschweigen, dass du seine Beförderung in den gehobenen Dienst mit aller dir nicht zur Verfügung stehenden Macht verhindern wolltest. Aus irgendeinem Grund haben ja sowohl er als auch du angenommen, Talent würde verschwendet werden, wenn es sich so offensichtlich zeigt. Ich hoffe, dein Dienst wird dich davor bewahren, dies auch anzunehmen, wenn der Zeitpunkt für dich gekommen ist, mehr aus dem zu machen als die bescheidene Ausbildung, die du bisher bekommen hast.


    R O L L E N S P I E L:

    Ein überhebliches Grinsen streift über sein Gesicht, dann blick er ein wenig . . . traurig auf Danyal herab.


    Ich fürchte, es wird lange dauern, als dass ihr Parshans großartig gewürdigt werdet. Von der Marine mal abgesehen sind reguläre Parshans bestenfalls aus Milizniveau ausgebildet und werden in Massen bei Gefahren eingesetzt, weil der Kommandostab nicht glaubt, dass ihr viel taugt, egal wieviel wert das Individuum sein mag. Ihr mögt ein wenig kämpfen können, aber es gibt einen Grund, warum Fraktionstruppen den Vorrang im Ausland haben und man beim letzten Aufstand im Innern die Tempelgarde geholt hat, um das effektiv zu bekämpfen. Fraktionsstreitkräfte haben Ausrüstung und Ausbildung, die über euer Minimaltraining hinausgehen, vor allem weil das Geld in Personen und nicht in Gruppen investiert wird. Mal von der Stiftung und Tiamat abgesehen, die andere Foki haben, dürfte dein Ansinnen bei Bund des Einhorns und Phönixdynastie die Norm sein. Die Tempelgarde des Tempelkultes ist in Keramik und Kunststofffasern gepanzert und liegt soweit über dem Rest, dass es geradezu peinlich ist, das anzusprechen. Dort würden solche Lieferengpässe nicht mal auftreten und bei den anderen Fraktionen wäre das ein Skandal. Bei euch nimmt man das leider in Kauf, egal wie dumm das sein mag.


    So müsst ihr zu lachhaften Mitteln wie Fliegennetzen oder Pflanzen greifen, also Peinlichkeiten für jemanden, der sein heiliges Leben für die Zivilisation aufs Spiel setzt. Aber es ist ein gutes Feld für die Investition überzähliger Mittel. Vielleicht kann ich die futunische Wirtschaft für eine Evaluation gewinnen. Fahr also ruhig fort, wenn dir noch mehr Mängel einfallen.

  • R O L L E N S P I E L:

    Er kann Faantir Gried nicht lesen, der Mann trägt eine Maske, die für ihn undurchdringlich ist. Danyal versucht, seine eigene spärliche Mimik völlig eingefroren zu belassen, doch die geröteten Ohren verraten seine Anspannung.


    Für die Kontaktdaten wäre ich dankbar, insbesondere, wenn unsere Einsatzbereiche sich künftig überschneiden. Falls Thar das nicht will, kann er mich ja blocken. Aber woher weißt du, dass ich über ihn nachgedacht habe? Für Mutmaßungen triffst du präzise ins Schwarze.


    R O L L E N S P I E L:

    Den traurigen Blick des Shaiks bemerkt Danyal. Seine Instikte suchen nach Menschlichkeit im Schreckgespenst, während sein Verstand ihn warnt, dem Gesehenen Glauben zu schenken. Lügen sind in Futuna eine Kunst, deren höchste Vollendung die Pforten zur Macht gleichermaßen öffnet und versiegelt. Doch sie zerstören nicht nur in höchsten Kreisen, sondern auch bei den niedrigen Chargen jedes Vertrauen und folgerichtig jede tiefe Bindung.


    Jeder geht damit anders um. Die Tiams baden in den Möglichkeiten, die ein solches System ihnen bietet. Die Danyals krallen sich wie Ertrinkende an die wenigen verlässlichen Konstanten, an Befehle und Vorgesetzte, an Sammlungen von Vorschriften und an das schweigende Versprechen einer Uniform. Die Ghazis werden verrückt und enden in Hassakur.


    Du warst einst Parshan, nicht wahr? Du warst sogar Farash, man hat uns bei der Ausbildung davon berichtet. Vielleicht bist du es im Herzen immer noch. Es wäre nicht ungewöhnlich, so geht es vielen, die in den zivilen Bereich wechseln. Tzaris bleibt für immer ein Teil von ihnen und manche schaffen den Schritt heraus nie, selbst wenn sie es wollen. Man sagt: 'Du kannst aus den Streitkräften austreten, doch du kannst sie nicht verlassen.' Ich für meinen Teil will mir kein anderes Leben vorstellen. Wenn meine Zeit gekommen ist, möchte ich in den Stiefeln sterben.


    Eine Truppe ist immer nur so gut wie ihre Offiziere. Wenn der Kommandostab glaubt, es würde sich nicht lohnen, in unsere Fähigkeiten zu investieren, wird das zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Um zu evaluieren, ob dem wirklich so ist, müsste man uns die Chance geben, uns zu beweisen. Die meisten von uns würden sicher bereitwillig helfen, wenn Wirtschaftsexperten die Abläufe unter die Lupe nehmen wollten.


    Wobei letzten Endes doch bereits jetzt alle Parshans ihre Grundausbildung in Tzaris absolvieren, auch die der Fraktionen, und erst danach in die Spezialisierung gehen, oder irre ich mich?

  • Du hast nun dreimal von Thar gesprochen, da würde ich das wohl kaum als Gedankenlesen bezeichnen. Außer du bist dir nicht bewusst, was du laut von dir gibst. In diesem Fall solltest du deine "Gedanken" unter Kontrolle bringen.


    Ich muss zugeben, dass ich solche Sprichworte nie gehört habe, was allerdings auch daran liegt, dass ich meine Grundausbildung in Harash absolviert habe, also dort, wo man viel einfacher und schneller in die besseren Positionen aufsteigt. Und als Wechsel würde ich meine Entlassung aus den Streitkräften nicht werten, auch wenn die futunische Ehrengarde, also die Wächter des Waldes, bis heute keinen neuen Champion erwählt haben, warum auch immer das irgendwen stören würde.


    Davon abgesehen ist es extrem sinnlos, für die futunische Zivilisation zu sterben. Aufopferung sollte man den Banaben überlassen, das ist doch deren Freude und Herzblut. Aber auch dort versteht man, dass man für die futunische Zivilsation nur leben kann. Tote nutzen nur Saredash etwas. Von daher nein, du solltest nicht in deinen Stiefeln sterben, sondern am besten nach einem langen, erfüllten und produktiven Leben, bei dem du irgendwann erkennst, dass du zu alt geworden bist, um als Miliz, Soldat oder vielleicht auch Offizier einen Dienst zu versehen, weil Körper und Geist dafür ungeeignet wurden.


    Wie ich ja ausführte, wird ein nicht unerheblicher Teil der Parshans in Harash ausgebildet, großteils für die Flotten. Die Offiziersschulen der Phönixdynastie und des Bund des Einhorns finden sich in Timor und Tabar. Es gibt kleinere Standorte in allen anderen Heiligen Städten und die militärische Mission im Onak, wo man die eher . . . Unangepassten hinbringt. Im Sinne der Kostensparung landet der Großteil jedoch wirklich in Tzaris. Wie du vielleicht feststellen konntest, besteht ein nicht unerheblicher Teil des Ausbildungsgeländes aus umgewandelten Industrieanlagen Tiamats und die sollen halt genutzt werden, damit deren Erhalt und eben auch Erwerb gerechtfertigt bleiben. Fraktionsstreitkräfte werden bis auf die Tiamats nicht in Tzaris ausgebildet und auch Tiamat hat einen zwei weitere Standorte in Harash und Mashin.


    Da du die Offiziere ansprachst: Würdest du als Parshan lieber nahe der Offiziersschulen ausgebildet werden?

  • Ah, nein, die Gedanken sind in Ordnung, wohl auch nicht so abwegig. Ich habe mit Thar die letzten Stunden verbracht, erst seinen Arm befummelt, dann interessant mit ihm geplauscht und ihn am Ende gekonnt in die Scheiße geritten. Zwischendurch hat er sich auch noch als hohes Tier entpuppt, was die Bedeutung all dessen potenziert. Er macht es unmöglich, mir egal zu sein. So abgebrüht bin ich nicht.


    R O L L E N S P I E L:

    Das leider sehr reale Déjà-vu, das damit einhergeht, verschweigt Danyal. Scheinbar ist er dazu bestimmt, die selben Dinge immer wieder aufs Neue zu durchleben. Vielleicht wollen die Götter, dass er irgendetwas daraus lernt, nur was das sein soll, erschließt sich ihm nicht.


    Er wird wohl noch eine Weile durch meinen Geist spuken. Wirst du mir den Kontakt zukommen lassen oder soll ich selbst im Netz nach ihm suchen?


    Wie kommt es, dass man in Harash viel schneller und einfacher aufsteigt als in Tzaris? Und könnte ein Interessent sich direkt bei den Fraktionen für die Ausbildung oder den Dienst bewerben oder läuft das über Beziehungen?


    Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich in der Nähe der Offiziersschulen ausgebildet werden wollen. Ich sehe keinen Vorteil darin, die Offiziere von ihren zukünftigen Parshans zu separieren, von der Dauer bestimmter Lehrgänge einmal abgesehen. Wann immer machbar, sollte man sich meiner Ansicht nach auf dem Gelände begegnen können, denn einem völlig fremden Offizier treten die meisten Parshans nicht offenherzig, sondern misstrauisch gegenüber. Gehorsam aber funktioniert in erster Linie über Vertrauen.


    R O L L E N S P I E L:

    Die cholerischen Offiziere, die ein Laie sich gern vorstellte, und die unverbesserlichen Stänkerer unter den Parshans, die sie gehässig austesten, gibt es natürlich auch, doch sie sind nicht die Norm und noch weniger das Ideal. Schließlich ist jeder Parshan freiwillig im Dienst. Mit Aufmüpfigkeit schadet man nur sich selbst und seiner Karriere.


    Die Situation, irgendwann erkennen zu müssen, dass ich zu alt für meinen Dienst bin, möchte ich umgehen. Das Militär ist mein Leben, Faantir. Der Tag dieser Erkenntnis würde mich zerstören. Ich lege es deswegen nicht darauf an, im Dienst zu fallen, ich hänge an meinem Leben, denn wie du richtig sagst, ist man nur lebend für Futuna nützlich. Aber ich trage das natürliche Risiko meines Berufs nicht als Bürde.


    Die Banaben ...


    R O L L E N S P I E L:

    Danyal grinst ein wenig.


    Die sind in der Tat ein Fall für sich. Aber sie sind mit ihrem Idealismus auch gut für die Gruppe. Ich mag sie.

  • Du meinst also, dass es gut wirkt, wenn du deine Fehler mit dem fehlerhaften Zuhören wiederholst? Nachdem ich gerade erklärt habe, dass du deinen "Kameraden" nicht "in die Scheiße geritten" hast, erklärst du mir, dass du ihn "in die Scheiße geritten" hast. Was soll das werden, wenn die Hälfte meiner Ausführungen dazu führt, dass du sie ignorierst oder schlicht nicht begreifst? Ich halte mich also besser zurück und warte, dass du mir genau bestätigst, dass du meine Worte verstanden hast.


    R O L L E N S P I E L:

    Statt weiter auf Danyals Ausssagen einzugehen, lehnt sich der Shaikh zurück und schaut Danyal abwartend an, einen neutralen Gesichtsausdruck zur Schau stellend.

  • Ich habe dich so verstanden, dass ich Thar die Beförderung in den gehobenen Dienst vermasselt habe. Zudem wird er nun in einen Aufgabenbereich versetzt, in dem sein Talent nicht verschwendet wäre. Das klingt nach einer Strafversetzung.


    R O L L E N S P I E L:

    Danyal blickt durchs Flugzeug, damit Faantir Gried ihn in Ruhe anstarren kann, ohne dass ein Blickduell daraus wird. Noch immer sind Danyals Ohren rot und das bessert sich scheinbar in absehbarer Zeit auch nicht mehr. Er ist bis unter den Scheitel gefüllt mit einem Cocktail aus Stresshormonen.

  • Wie ich sagte, hast du mir nicht zugehört und damit wohl auch nichts verstanden. Ich habe ja bereits festgestellt, dass ich meine Entscheidungen nicht von dir abhängig mache. Dem zu Folge kann man logisch schlussfolgern, dass du nichts "vermasselt" hast und Thars zukünftiger Werdegang allein durch sein Verhalten bestimmt wird. Wie ich auch ausführte, ist sein Talent verschwendet. Von Verschwendung spricht man normalerweise, wenn Fähigkeiten nicht in vollem Umfang nutzbar sind. Die Entfaltung dieser Fähigkeiten zu fördern, vermag ich mir daher nicht als Strafe vorzustellen. Vielleicht kannst du deine Einschätzung ja erklären. Nur zu.

  • R O L L E N S P I E L:

    Da der Shaikh eine Erklärung zu Danyals Einschätzung verlangt, bekommt er diese auch. Andernfalls wäre Danyal wohl wieder in seine Gewohnheit verfallen, einfach alles abzunicken, was dieser an rhetorischen Spitzfindigkeiten auf ihn abfeuert.


    Für mich hat es sich sarkastisch angehört, als du von einer unfassbaren Verschwendung gesprochen hast. Du sagtest, Thar und ich hätten angenommen, dass sein Talent verschwendet sei. Also bezog es sich nach meinem Verständnis nicht auf deine eigene Ansicht, sondern auf unsere. Dass du es tatsächlich so siehst, dass Thars Fähigkeiten verschwendet seien, habe ich aus deinen Ausführungen nicht schlussfolgern können. Unabhängig davon, ob ich dich immer korrekt verstehe, höre ich dir immer zu, Faantir.


    R O L L E N S P I E L:

    Wie könnte er auch nicht, der Shaikh sitzt ja genau neben ihm und quält ihn.

  • Nun gut, kommen wir zu einem anderen Punkt. Inwieweit man die Offiziersausbildung mit der Grundausbildung kombinieren kann, weiß ich noch nicht. Da erstere Fraktionssache ist und letztere Sache des Oberkommandos wird von einer Vermischung abgesehen. Da vermutet man durchaus Interessenskonflikte oder Bevorteilung der jeweiligen Fraktionen beim an sich neutralen Militär, um die Parshans von Einflüssen fern zu halten. Der Dienst in Harash ist von Beurteilungen der ersten Wochen abhängig, aber betrifft so wenige, dass es meist nicht auffällt. Bestimmte Gruppen, etwa Freiwillige aus Vashir, werden gleich in Harash ausgebildet. Bei Interesse an der Marine sowieso.


    Und was den Gehorsam angeht, so ist ja das erklärte Ziel, den Parshan selbst denken zu lassen und Befehlen mehr aus Logik zuzustimmen statt aus blinden Gehorsam. Wie effektiv das wäre ist natürlich fraglich. Aber so ist nunmal die Theorie.

  • Die Offiziere stehen also immer unter dem Einfluss einer Fraktion? Das wusste ich nicht. Also ist ein Aufstieg aus den Mannschaftsdienstgraden heraus in die Offiziersränge nur über die Nähe zu einer Fraktion möglich? Oder bezieht sich das auf die Stabsebene?


    R O L L E N S P I E L:

    Da Danyal während der Grundausbildung vor allem mit deren Inhalten beschäftigt war, um am Ende einen guten Abschluss vorweisen zu können, sind ihm solche Dinge bislang entgangen. Den Schuh des blinden Gehorsams muss Danyal sich außerdem anziehen. Doch daraus ergibt sich auch ein Gedanke und er sinniert laut vor sich hin.


    Ich stelle mir beispielhaft eine kritische Situation vor, in der es auf Zeit ankommt. Menschenleben sind in Gefahr. Ein angespannter Firouz leitet den Einsatz, der alles überblicken und planen muss. Fehler können fatal enden. Und dann tritt ihm ein Parshan ins Blickfeld, den Zeigefinger erhoben, und erklärt ihm ausführlich, dass er alles ganz anders machen würde. In der Einsatzpraxis sehe ich da Probleme. Man verliert wertvolle Zeit und der Firouz seine Nerven.


    Andererseits werden wir bei den Seminaren im Rahmen der Analyse verschiedener Szenarien dazu ermuntert, uns zu überlegen, wie wir vorgehen würden. Auch die Besprechung vergangener Übungen und Einsätze gehört dazu, um gemachte Fehler zu erkennen und abzustellen. Die ganze Ausbildung besteht im Prinzip neben den Leibesübungen vor allem aus Erklärungen. So können wir die Entscheidungen unserer Vorgesetzten in der Regel also durchaus logisch nachvollziehen.


    Der Gehorsam ist folglich bei den meisten Parshans zwar solide, aber nicht blind. Er basiert, wie gesagt, darauf, dass wir den Offizieren in ihren Entscheidungen vertrauen. Sie sind die ausgebildete Spezialisten im Treffen von Entscheidungen, sie wissen, worauf es ankommt. Die Mannschaften hingegen sind darauf spezialisiert, Befehle zuverlässig und korrekt auszuführen, ganz gleich, ob sie Angst haben, sich mit dem Kameraden an ihrer Seite zuvor gestritten haben oder sonst etwas in ihrem Kopf vorgeht. Ihre Pflicht ist es, in jeder noch so schwierigen Situation zuverlässig zu funktionieren. Darauf wiederum will der Firouz vertrauen können.


    Ist das in dem von dir angesprochenen Sinne, dass Parshans den Befehlen aus Logik zustimmen sollten oder siehst du Verbesserungsbedarf?

  • Unter dem Einfluss stehen ist ein wenig zuviel gesagt. Aber sie werden in der Regel von Phönixdynastie und Bund des Einhorns für die Hegemonie ausgebildet. In der Regel ist dabei dann eine Neigung zu den Fraktionen zu erkennen, wenn auch keine Präferenz. Beide Fraktionen bilden sich ja eine Menge in Bezug auf ihre Unterstützung der Hegemonie ein. Die Phönixdynastie sieht sich als dienende Führung und der Bund des Einhorns als Quelle und Schöpfer der Hegemonie für alle. Es ist also durchaus weniger wahrscheinlich, dass dort Korruption auftritt. Immerhin bilden sie auch die meisten Beamten aus mit Ausnahme derer, welche im alleinigen Einflussbereich anderer Fraktionen stehen.


    Die Auswahl für die Ausbildung zum Offizier erfolgt also weitgehend neutral, aber natürlich wird man in dieser Zeit vermehrt Kontakt zu Vertretern dieser Fraktionen haben. Interne Fraktionsstreitkräfte haben wiederum wirklich die Voraussetzung der Zugehörigkeit, aber das ist dann eine ganz andere Schiene. Um jetzt nur von der Stiftung zu sprechen: Wir bieten all jenen einen Raum, die einen Dienst verrichten wollen, aber wegen Vorstrafen oder Unangepasstheit nicht in den Streitkräften oder woanders landen können. So wie wir kein Produkt verschwenden, da wir Hunger und Not kennen und vermeiden wollen, so verschwenden wir auch keinen Menschen, egal wie anders und abweichend seine "Talente" sein mögen.


    Und ja, das ist ein gutes Beispiel für die ideale Situation. Ein Beispiel für die katastrophale Variante war die Befriedung von Jiklà, wo die Phönixdynastie mit ihren eigenen Truppen eine Kontrolle und Inspektion in eine Hexenjagd mit Hang zum Massaker umgewandelt hat, weil die Parshans den Druck nicht aushielten und die Befehlskette nicht zuverlässig war. Nur der Umstand, dass Jiklà innerhalb der Hegemonie faktisch Wildnis ist - nur die Monarinseln sind ähnlich schlecht verwaltet - hat eine strengere Auswertung vermieden. Eine Katastrophe war und ist es in jedem Fall.

  • R O L L E N S P I E L:

    Danyal freut sich, dass die Ausbildung doch nicht so am offiziellen Ziel vorbeiläuft, wie er zwischendurch befürchtet hat. Was ihn umtreibt, ist ein individuelles Problem, wenn man es denn als solches bezeichnen möchte.


    Ich finde den Ansatz der Stiftung lobenswert. Wir können nicht alle gleich sein. Jeder Blutgeborene, wie vermurkst er auch ausfallen mag, ist letztlich ein Geschenk der Götter und hat eine Aufgabe zu erfüllen. Das darf man ihm nicht verwehren, auch wenn einige nicht dazu geeignet sind, sich frei in der Gesellschaft zu bewegen.


    Gibt es eigentlich die Möglichkeit der Rehabilitation? Also wenn Kriminelle ihren Dienst eine bestimmte Anzahl von Jahren verrichtet haben, dass sie ihre Schuld im Dienst an der Hegemonie getilgt haben und eine zweite Chance bekommen?


    Und was hat es mit dem Massaker auf Jiklà auf sich? Was ist dort geschehen, dass die Parshans dort außer Kontrolle gerieten?


    R O L L E N S P I E L:

    Die Dynamik von solchen Ereignissen ist Danyal unheimlich. Als kontrollierter Mensch kann er sich nicht vorstellen, wie alle gleichzeitig ihre Vernunft und Menschlichkeit über Bord werfen und zu einer gewalttätigen Masse werden können. Vielleicht wüsste Ghazi die Antwort.


    Aber letztlich ist ein Parshan genau dazu ausgebildet: andere Menschen auf Befehl unschädlich zu machen. Gewalt ist ihr Handwerk, die Durchsetzung der Interessen der Hegemonie ihre Pflicht. In ihnen allen steckt dieses Potenzial und auch der Wille, sonst hätten sie den Beruf nicht ergriffen.


    Instinktiv möchte Danyal glauben, dass er bei einem Massaker nicht mitmachen würde, doch die Parshans auf Jiklà waren sicher auch gute Männer. Wenn sie es nicht schafften, sich dem zu entziehen, wie kann er dann annehmen, besser zu sein?

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