Kampagne: Den besten Kraken sieht man nicht - Danyal Khaye

  • R O L L E N S P I E L:

    Am Abend - es hat den ganzen Tag bereits unruhigen Wellengang gegeben, was bei einem hier vorherrschenden Tagesklima schon auffällig ist - wird Danyal Khaye ins Büro von Atash Thadiya Avahti gerufen. Die ältere Frau Anfang Fünfzig ist ziemlich kurz gewachsen und besitzt deutliche Hasenzähne unter ihren müden braunen Augen und grauschwarzen spröden Haaren, doch sie hat den Ruf eiserner Diziplin und Unnachgiebigkeit behalten. Als Stabsoffizierin des örtlichen Arshams ist sie vor allem für die Ausbildung zuständig und wie die meisten der hiesigen Offiziere Teil der Marine gewesen, bevor sie in den höheren Dienst versetzt wurde. Mit ihr hatte Danyal nie zu tun, denn eigentlich steht sie etwa sieben Stufen über seinen Vorgesetzten, so dass es verwunderlich, dass sie ihn überhaupt hierher in ihr kleines Büro in einer der in die Grottenaußenwände gebauten Arkologien bestellt hat, dessen einziges hervorstechendes Merkmal ein fantastischer Ausblick durch eine Fensterwand auf das betriebliche Treiben des Marinehafens ist.


    Wie in der Hegemonie üblich salutiert sie mit der Faust über dem Herzen - da sie Linkshänderin ist mit der Linken - bevor sie dem Parshan Tee, Orangensaft und Wasser sowie einen Sesselplatz anbietet. Wie es zwischen Blutgeborenen üblich ist, hat sie ihn natürlich von Anfang an geduzt, und erwartet das auch im Gegenzug - formelle Ansprachen sind etwas für Barbaren.


    Nimm doch bitte Platz. Wir haben über deine politische Zukunft zu sprechen.

    Das Futunische Oberkommando ist an sich keine Fraktion, besitzt jedoch soviel Eigenständigkeit und Befugnisse, dass es faktisch keinen Unterschied macht. Ihm sind der Großteil aller Parshans unterstellt, die sich um die innere und äußere Sicherheit, Rettungs- und Sanitätsdienste und assoziierte Aufgaben kümmern.

  • R O L L E N S P I E L:

    Zu einem Offizier von astronomischem Rang bestellt zu werden, kann für den einfachen Parshan zweierlei bedeuten: Entweder, er hat etwas sehr gut gemacht, oder sehr schlecht.


    So ist es ein natürlicher Reflex, dass Danyal auf dem langen Weg zum Büro sein Sündenregister durchgeht. Als Parshan, dessen Lebensschwerpunkt die militärische Pflichterfüllung ist, fällt ihm jedoch nichts ein, was eine Ahndung von so hoher Stelle rechtfertigen würde. So geht er davon aus, dass das Gespräch sich um organisatorische Dinge drehen wird. Nur welche?


    Der formelle Gruß mit der Faust fällt seitens Danyals kraftvoll aus, in Anbetracht des Rangunterschiedes ein Zeichen besonderen Respekts für seine Vorgesetzte. Danach lässt er sich auf dem ihm zugewiesenen Sitzplatz nieder.


    Danke, Atash.


    R O L L E N S P I E L:

    Mehr sagt er vorerst nicht, denn es war ihm keine Frage gestellt worden. Stattdessen bedient er sich am Orangensaft, trinkt einen Schluck und mustert die Kameradin aufmerksam über den Rand des Glases hinweg.


    Danyal kennt sie noch nicht, doch er kennt ihren eisernen Ruf. Ihre müden Augen vermögen die Aura der Autorität, die von ihr ausgeht, nur geringfügig zu dämpfen. Was ihn selbst betrifft, so strahlt seine Körpersprache zwar Sicherheit aus, doch die geröteten Ohren verraten eine gewisse Nervosität.


    Er stellt das Glas ab, verschränkt die Hände und wartet.

  • R O L L E N S P I E L:

    Wie es in den oberen Rängen üblich ist - und auch in den oberen Ebenen jeglichen Apparates - so geben Mimik, Gestik und Statur nur minimale Informationen Preis. Denn ein Zurschaustellen von Emotionen wird oft als Schwäche ausgelegt und das ist in der futunischen Gesellschaft, in welcher das Leben heilig ist, fatal, da niemand auf anderem Weg an bestimmte Posten gelangen kann. So muss auf die Schwächen anderer gelauert werden, wenn man denn in die obersten Ränge steigen will. Immerhin sind ja auch die meisten der öffentlichen Informationen gefälscht und Dokumentation im besten Fall eine konstruierte Halbwahrheit.


    Während er da so sitzt, ist sie aufgestanden und blickt auf ihn herunter.


    Sag mir, Parshan, was genau macht dich besonders? Also jenseits von deinem Status als Blutgeborener und der üblichen Eigenschaften als Angehöriger der futunischen Zivilisation.

    Das Futunische Oberkommando ist an sich keine Fraktion, besitzt jedoch soviel Eigenständigkeit und Befugnisse, dass es faktisch keinen Unterschied macht. Ihm sind der Großteil aller Parshans unterstellt, die sich um die innere und äußere Sicherheit, Rettungs- und Sanitätsdienste und assoziierte Aufgaben kümmern.

  • R O L L E N S P I E L:

    Er ist ein Parshan ohne Rang und Namen, folglich muss der Vergleich darauf zielen, ihn seinesgleichen gegenüberzustellen. Anders würde die Frage aus dem Mund einer derart ranghohen Person keinen Sinn ergeben, denn ihr gegenüber ist er sehr gewöhnlich. So besinnt er sich auf die Aspekte seines Wesens, an denen er während seiner Grundausbildung gefeilt hat und die das Attribut 'besonders' in irgendeiner Form rechtfertigen könnten.


    Ich erfülle meine Pflicht nach bestem Wissen und Gewissen, Atash. Und ich arbeite hart daran, dazu möglichst effektiv fähig zu sein und meine Grenzen weiter nach oben zu verschieben. Ich rauche nicht, trinke nicht, vergeude generell keine Zeit mit Vergnügungen, die dazu geeignet wären, Körper und Geist zu schwächen. Meine Ausbildung habe ich dadurch als einer der Besten meines Jahrgangs abschließen können.

  • R O L L E N S P I E L:

    Sie sieht noch einen Moment länger auf ihn herab. Dann setzt sie sich wieder.

    Nunja, man muss es angesichts der gesundheitlich unbedenklichen Rauchwaren schon darauf anlegen, das ungesunde Zeug zu verlangen und selbst dann würde das bei der Nahrungsversorgung und -verteilung wohl auffallen. Aber kommen wir zum Wesentlichen: Der Großwesir Jaavid Lya Gried hat dich als Agenten ausgewählt. Das kannst du annehmen oder ablehnen, je nachdem, wie du willst. Aber du würdest damit zur zweiten Generation dieser Gruppe überhaupt gehören. Es würde deiner Karriere wohl nicht schaden, aber es wird auch immer Fragen nach sich ziehen, egal wohin du auch gehst. Wenn du es also willst, dann überstelle ich dich heute noch in seinen Dienst.


    R O L L E N S P I E L:

    Sie gönnt sich einen Moment der Schwäche und bringt ein entschuldigendes Zucken zustande.


    Du wirst die Entscheidung innerhalb der nächsten Minuten treffen müssen, mehr Zeit habe ich bei meinen Aufgaben auch nicht. Sobald ich eine eindeutige Antwort habe, teile ich dir das weitere Verfahren mit.

    Das Futunische Oberkommando ist an sich keine Fraktion, besitzt jedoch soviel Eigenständigkeit und Befugnisse, dass es faktisch keinen Unterschied macht. Ihm sind der Großteil aller Parshans unterstellt, die sich um die innere und äußere Sicherheit, Rettungs- und Sanitätsdienste und assoziierte Aufgaben kümmern.

  • R O L L E N S P I E L:

    Er nickt knapp auf ihren Kommentar zu den Rauchwaren hin. Er teilt diese Auffassung, doch das gilt nicht für all seine Kameraden, leider.


    Ihr Schulterzucken bemerkt er, ohne es zu werten. Der Rangunterschied ist so astronomisch, dass Atash Thadiya Avahti sich die eine oder andere Marotte herausnehmen kann. Ab einem bestimmten Ausmaß würden entsprechende Verhaltensweisen bei Danyal höchstens zu der Annahme führen, sie wolle damit seine Reaktion prüfen, anstatt dass er dahinter eine tatsächliche Schwäche vermutet hätte. Er weiß, dass sie ihren Posten nicht ohne Grund innehat.


    Meine Antwort lautet: Ja! Es ist mir eine Ehre, dem Großwesir als Agent zur Verfügung zu stehen!


    R O L L E N S P I E L:

    Um sich einer Auswahl durch den Großwesir zu entziehen - selbst wenn er davon ausgeht, tatsächlich eine Wahl zu haben, was nicht sicher ist - müsste er schon ein Narr bar jeden Ehrgeizes sein. Die Ehre ist unerhört, von den Auswirkungen auf die nächste Beförderung ganz zu schweigen, vorausgesetzt, er würde seine Mission zu des Großwesirs Zufriedenheit erfüllen.


    Er dankt im Geiste seinem Ausbilder, der ihn mit Sicherheit empfohlen hat. Nur anhand der Zahlen in der Datenbank wäre Danyal als einfacher Parshan wohl kaum in das Blickfeld solch namhafter Leute geraten.

  • R O L L E N S P I E L:

    Die Atash greift hinter sich und zieht ein Datenpad hervor, in das sie schnell einige Eingaben macht. Dann blickt sie auf und Danyal an.

    Gut, in zwei Stunden steht ein Hubschrauber auf Plattform 7 bereit, der dich nach Persuna bringen wird, wo du mit dem Großwesir zusammentreffen wirst. Am besten nutzt du die Zeit, um deine Sachen zu packen und vielleicht etwas Ruhe zu finden. Zu essen wird es dort wohl vor Ort geben. Gibt es Nachrichten, welche etwa an deine Familie übergeben werden sollen, welche du selbst nicht abzuschicken in der Lage bist? Immerhin sind einige Datenverbindungen derzeit durch erhebliche Interferenzen gestört, so sie nicht auf Fraktionsebene oder höher stattfinden. In einem Fall wie diesem kann deiner Nachricht sicher Dringlichkeit eingeräumt werden. Ansonsten wenn das nicht der Fall ist, kannst du in dein Quartier zurückkehren. Mögen die Götter mit dir sein, Danyal Khaje.


    R O L L E N S P I E L:

    Sie wartet noch seine Antwort ab, wendet sich aber halb schon wieder ihrem Pad zu, auf dem wohl ihre Arbeit auf sie wartet.

    Das Futunische Oberkommando ist an sich keine Fraktion, besitzt jedoch soviel Eigenständigkeit und Befugnisse, dass es faktisch keinen Unterschied macht. Ihm sind der Großteil aller Parshans unterstellt, die sich um die innere und äußere Sicherheit, Rettungs- und Sanitätsdienste und assoziierte Aufgaben kümmern.

  • Jawohl, Atash. Ich bitte darum, meine Eltern darüber zu informieren, dass ich aufgrund einer Mission eine Zeitlang nicht zu erreichen sein werde. Ich werde zwar versuchen, ihnen selbst noch vor der Abreise eine Nachricht zukommen zu lassen, doch mir wäre es wichtig, dass sie auch dann informiert sind, falls die Interferenzen eine Zustellung unmöglich machen. Mögen die Götter ebenso mit dir sein, Atash Thadiya Avahti.


    R O L L E N S P I E L:

    Als guter Sohn hält Danyal seine Familie regelmäßig auf dem Laufenden. Würde er längere Zeit nicht reagieren, würde dieser Umstand unweigerlich Sorge induzieren.


    Auch, wenn die Atash sich schon halb abgewandt hat, gebietet es das Protokoll, dass Danyal sich mit korrektem Gruß verabschiedet, ehe er das Büro verlässt. Sein Schritt ist zügig, zwei Stunden sind nicht viel Zeit.


    Im Quartier angelangt versucht er, seine Eltern mit einer allgemein gehaltenen Nachricht, wie er sie auch der Atash mitteilte, zu kontaktieren. Dass der Auftrag der Geheimhaltung unterliegt, ist ihm noch nicht mitgeteilt worden, doch die Bezeichnung als Agent lässt dies erahnen, weshalb er sich bedeckt hält.


    Da er dem Großwesir angemessen gegenübertreten möchte, isst Danyal trotz der Ankündigung auf Verpflegung noch eine Kleinigkeit, damit sein Magen nicht knurrt, und verschwindet dann in der Dusche. Geduscht, mit geputzten Zähnen, frisch rasiert und neu eingekleidet, ist er zufrieden mit seinem Erscheinungsbild. Am Ende geht er herum und nimmt Abschied von seinen Kameraden. Ihren etwas lästigen Fragen antwortet er mit der ihm eigenen oberflächlichen Freundlichkeit, aber bleibt dabei ausweichend.


    Die wenige verbleibende Zeit verbringt er allein mit geschlossenen Augen auf seinem Bett liegend, ehe es Zeit wird, das Gepäck aufzunehmen und Plattform 7 aufzusuchen.

  • R O L L E N S P I E L:

    Auf der Plattform warten zwei uniformierte Männer mit wenig aussagekräftigen Gesichtern und Statur. Sie gehören zu der Sorte Mensch, die zwischen Zwanzig und Anfang Fünfzig alt sein könnten ohne dass ihr Aussehen dies erahnen lassen vermögen würde. Wobei jene mit einer kleinen Portion elementarer Finsternis wohl eine Vermutung anstellen können, wenn es ihnen denn wichtig war. Die Männer lassen auch keine Worte fallen und öffnen lediglich die Türen eines eindeutig eher zivil genutzten Hubschraubers, wonach sie auf eine Reaktion zu warten scheinen.

  • R O L L E N S P I E L:

    Von der Plattform aus sieht Danyal das Meer. Erstmalig fällt ihm der starke Wellengang heute auf. Er hofft, dass das nicht auch auf den Wind zutrifft und dass der Flug ruhig verlaufen wird.


    Sein Blick fällt auf die beiden uniformierten Herren vor der wartenden Maschine. Da sie keine Anstalten machen, ihn zu grüßen, geht Danyal davon aus, sie seien ranghöher. Entsprechend lässt er ihnen einen militärischen Gruß zukommen. Alle paar Schritte jemanden korrekt zu grüßen, mitunter etliche Male am Tag die selbe Person, war eines der ersten Dinge, die man ihm beim Militär beigebracht hatte.


    Dann hält er inne. Er ist nicht sicher, ob das Öffnen der Türen des Hubschraubers bedeutet, dass er einsteigen soll, oder ob die Männer im Gegenteil darauf warten, dass jemand aussteigt. So blickt er sie fragend an in der Hoffnung, dass ihre Blickrichtung Auskunft geben würde oder sie ihm sagten, was sie von ihm erwarteten.


    Als aufmerksamer Mensch versucht Danyal nebenbei einzuschätzen, wie alt die beiden wohl seien. Relevant wäre das Wissen wohl weniger, doch er ist neugierig.

    Hintergrund:

    Element x3 - Finsternis

  • R O L L E N S P I E L:

    Unter all den Schichten der Unbeteiligung ist es doch mit Mühe möglich, ein ungefähres Alter zu schätzen. Der kleinere der beiden mag durchaus etwas älter sein und hat wohl eine lange Dienstzeit hinter sich. Seine Hände sind jedoch wesentlich geübter und auch tastsicherer. Er mag wohl der Pilot des Hubschraubers sein und ist wohl bereits über Vierzig, also nahe dem Ende seiner aktiven Flugzeit, bevor eben die Reflexe und Entscheidungsfähigkeiten nachlassen, aber mit soviel Erfahrungsschatz, dass er auch in einem Sturm landen mag. Der größere ist auch um einiges massiger, aber ohne dass sich daraus teigigere Gesichtszüge oder Falten ergeben, man kann also die erste Schätzung noch nach unteren korrigieren und er wird wohl nicht älter als Mitte 20 sein.


    Dieser Jüngere erhebt nun doch seine Stimme und diese ist eben nur fast emotionslos, aber dunkel und kraftvoll.

    Steig doch bitte ein, wir wollen los, damit wir es vor der Nacht nach Persuna schaffen.

    R O L L E N S P I E L:

    Wie auch immer das gehen soll, denn dafür liegen die Städte doch zuweit auseinander, da müsste schon ein richtes Flugzeug her; aber auch dorthin könnte der Flug hier ja noch gehen.

    Hintergrund:

    Übrig: 2xFinsternis

  • R O L L E N S P I E L:

    Danyal hat sich das Hirn verrenken müssen bei der Einschätzung der beiden, doch ist er zufrieden mit seiner Erkenntnis. Er fragt sich, ob die optische Undurchdringlichkeit der oberen Chargen System hat oder als Nebeneffekt den Notwendigkeiten der Machtkämpfe entspringt. Eine Antwort wird er hier und jetzt nicht erhalten, aber vielleicht ergibt sich irgendwann ein aufschlussreiches Gespräch.


    Er steigt in die Maschine, verstaut sein Gepäck, nimmt Platz und schnallt sich fest. Ihm kommen Zweifel ob der anvisierten Rechtzeitigkeit vor Einbruch der Nacht, doch als Parshan weiß er der Funktionalität professioneller Strukturen zu vertrauen. Ob das immer berechtigt ist, sei dahingestellt, doch bleibt ihm am Ende keine andere Wahl. So lässt er sich schicksalsergeben in den Sitz sinken. Es wird schon funktionieren ...


    Er schaut, ob er während des Fluges aus dem Fenster sehen kann.

  • R O L L E N S P I E L:

    Der Blick über die Stadt ist unversperrt, aber Tzaris ist von allen futunischen Großstädten mit Sicherheit die, welche man lieben lernen muss, weil die Konzentration von Kasernen, Laboren und Industrie nicht durch die übliche Ausstattung von Gärten und Architektur ausgeglichen wird. Durch den Bau in die Grotten und Steilhänge sieht man auch die ansprechenden Wahrzeichen kaum überirdisch. Zurück bleibt nur ein industrielles und militärisches Zentrum, das seinen Charakter nicht einmal ansatzweise verbirgt. Natürlich schlägt sich das auch im Reichtum der Stadt nieder, aber moderne Verkehrsverbindungen und schneller Service sind kaum ein solcher Ausgleich. Die Oasen bleiben meist nur für Einheimische und die Spitzen des Militärs und des Megakonzerns Tiamat, der hier seinen Hauptsitz hat.


    Schließlich steuert die Maschine auf den kleineren der beiden Flughäfen zu, der in der Regel für den militärischen Verkehr bestimmt ist. Dort wird der Umstieg in ein Überschallflugzeug vorbereitet, aber wie zuvor warten die Begleiter darauf, dass Danyal handelt, bevor sie sich selbst in Bewegung setzen.

  • R O L L E N S P I E L:

    Der vertraute Anblick von Tzaris lässt ihn nachdenklich werden. Er weiß noch nicht, wie lange die Mission dauern wird und was genau sein Ziel ist. In einem unnatürlichen, beinahe dystopischen Charme liegt die Stadt unter ihnen, doch recht schnell landen sie wieder. Danyal steigt aus, sein Gepäck über der Schulter.


    Fasziniert betrachtete er im Gehen die langgestreckte, leicht gekrümmte Pfeilform. Mit einer Überschallmaschine ist Danyal noch nicht geflogen. Er blickt sich nach seinen Begleitern um, da er es bis heute gewohnt war, für jeden kleinen Handgriff einem Dienstplan folgen zu können und wo dieser nicht genügte, erhielt er ein Stakkato von Befehlen. Die Dinge scheinen sich vorerst geändert zu haben, was ihn in die Lage versetzt, sich umgewöhnen zu müssen. Auf gut Glück marschiert er auf die Maschine zu. Seine Stiefel klopfen bei jedem Schritt hart auf dem Asphalt der Landebahn. Die zeitliche Überschneidung wird kein Zufall sein, so dass er dort ihr nächstes Ziel vermutet.


    Er schaut, wie man den Umstieg vorbereitet ... und ob es irgendwen gibt, der gegrüßt werden muss oder ob er gleich einsteigen kann.

  • R O L L E N S P I E L:

    Nachdem es eine Zeit lang keine Reaktion gegeben hat, gibt der Jüngere der beiden Begleiter eine Zeigebewegung mit dem Arm in Richtung auf das Flugzeug, doch bleibt abgesehen davon still. Der Pilot des Flugzeuges ist offensichtlich bereits im Cockpit.


    Derweil hat der Wind zugenommen und versteigt sich bereits zusehends zu Böen. Es scheint tatsächlich ein Sturm heranzuziehen, was angesichts der Lage des futunischen Festlandes umso seltener ist, schließlich liegt dieses durch die futunische See und die Feuerkette von Khadesh, Vashir, Deret und den Monarinseln relativ geschützt vor Stürmen. Im Tagesklima der Randtropen hat der übliche Regenschauer nun bereits stattgefunden, weswegen die Luft zwar noch feucht ist, aber sich nun auch statisch auflädt. Natürlich ist man hier vor allerlei Unbill geschützt, aber das vermag schon einen seltsamen Schatten auf die bevorstehenden und aktuellen Verhältnisse werfen.

  • R O L L E N S P I E L:

    Der Wind zerzaust sein Haar und ruiniert die Frisur. Er sollte die Haare kürzer tragen, damit das nicht mehr passieren kann.


    Der Sturm gefällt Danyal nicht, doch tröstet er sich mit dem Wissen, was ein Überschallflugzeug kostet. Andererseits mag der Anlass dermaßen dringlich sein, dass ein solches Risiko als notwendig erachtet wird. Hier muss er sich ganz in die Hände seiner Vorgesetzten und der Götter begeben.


    Der Mutismus seiner Begleiter macht sie zu einer menschlichen Mauer. Er wagt nicht, einen Spruch zur Auflockerung anzubringen, wie es sonst unter Parshans üblich ist und konzentriert sich auf formal korrektes Verhalten. Aber irgendetwas muss er sagen, da ihm das lange Schweigen nicht behagt, so dass er sich schließlich noch von ihnen verabschiedet und dann, dem wegweisenden Arm folgend, zum Überschallflugzeug geht und hineinschaut.


    Danyal Khaje. Darf ich einsteigen?

  • Du allein bestimmst die Geschwindigkeit, mit der wir arbeiten. Das ist alles nur für dich, erwählter Agent des Großwesirs.

    R O L L E N S P I E L:

    So informiert ihn der Jüngere mit einem gewissen Drängen in der Stimme. Die beiden Begleiter nicken ihm zu - die futunische Version einer Verbeugung, da alle Blutgeborenen auf einer Stufe stehen und dies über all jenen Möchtegernauserwählten in der Welt wie den Königen und sonstigen "Herrschern" der Barbaren, welche niemals irgendeine Verbeugung abverlangen können, da sie eben im Rang so weit unter ihnen sind. Aber eine solche Zurschaustellung von Respekt ist auch unter Blutgeborenen nicht üblich und sollte zur Verwunderung beitragen. In der Regel ist sie nur sehr besonderen Personen wie den Sprechern der Fraktionen und Teilstaaten, Hohepriesterinnen, Wesiren, Akashi, der Ersten Arsham, Shaikhs und dem Ashantir vorbehalten. Wenn man sie denn respektiert, denn selbst dann ist eine solche Geste keine Verpflichtung, sondern lediglich eine persönliche Anerkennung besonderer Verdienste.


    Die beiden stehen weiter abwartend da, auch wenn der Jüngere halb im Begriff ist, Danyal zu folgen, wohl weil er als Begleiter angeheuert wurde und nicht wie der Ältere den Hubschrauber zurückbringen muss. Ansonsten ist das Flugzeug wohl bis auf die Piloten leer, wenn auch sehr komfortabel und modern ausgestattet, so dass sich die Passagiere mit vollem Zugriff auf alle futunischen Netze (das offizielle Netz von Aszanah, das Wirtschaftsnetz von Tiamat und der Stiftung Persuna, sowie das Wissenschaftsnetzwerk der Akademie) während des Fluges entspannen können oder eben für sich mit ihrem persönlichen Datenpad arbeiten vermögen.

  • R O L L E N S P I E L:

    Eine Ahnung dämmert in Danyals Geist. Das respektvolle Nicken, die zuvorkommende Art und die Anrede als "erwählter Agent des Großwesirs" lassen durchklingen, dass er bereits als Agent betrachtet wird und offenbar als einer, um den sich besonders gekümmert werden soll. Das gefällt Danyal. Vermutlich hat sein bisher abwartendes Verhalten für Erstaunen gesorgt. Wer weiß, was für Instruktionen die Männer zu seiner Person erhalten haben.


    Mutiger nun, da er die Dinge besser zu verstehen glaubt, erlaubt er dem Älteren nach kurzem Dank das Wegtreten und klettert in die Maschine. Die moderne Ausstattung gefällt ihm als Freund des Fortschritts besonders gut. Er verstaut sein Gepäck und schnallt sich fest. Er hat den Piloten ja bereits gegrüßt.


    Mit wem habe ich das Vergnügen?


    R O L L E N S P I E L:

    Die Frage richtet sich an beide, an den Piloten wie auch den jüngeren Begleiter, wie Danyal durch ein Hin- und Herblicken versucht, auszudrücken. Vielleicht lassen sich ein paar Informationen ermitteln, ohne dass er offenbaren muss, dass er von den Vorgängen, in die er geraten ist, keine Ahnung hat.

  • Unsere Namen sind nicht wichtig, ehrbarer Agent des Großwesirs.


    R O L L E N S P I E L:

    Der Jüngere zeigt nun deutliche Anzeichen des Unwohlseins, während der Pilot den Hubschrauber beklettert und dann sich zum Start bereit macht. Der Begleiter besteigt nun ebenfalls das Flugzeug und sucht sich einen Platz ganz am Ende aus, bevor er mit einem entschuldigenden Blick nach seinem Datenpad greift, um darin zu lesen oder zu arbeiten oder was auch immer. Eine weibliche Stimme verkündet derweil, dass Zeit sei, sich für den Flug anzuschnallen. Danach bereitet sich das Flugzeug auf den Start vor und eine Landebahn wird freigegeben. Der Wind heult noch einmal an den Fenstern vorbei, dann legen die Rotoren los und es verkommt zum Hintergrundgeräusch.


    Das Flugzeug beschleunigt und hebt dann geradezu gespenstig leicht ab. Im Vergleich zu einem Passagierflugzeug, das durch seine Größe und normale Geschwindigkeit im Wind zu schwanken scheint, durchbricht das Überschnallflugzeug diese Grenze recht schnell. Wenn man nicht gerade für das Fliegen geboren ist, stellt sich ein gewisses Unwohlsein ob der gewaltigen Fliehkräfte Bahn, die auf Körper und Geist einwirken. Hinter den Fenstern verliert das Lichtermeer von Tzaris schnell an Bedeutung, während es unter wolkenlosen Himmel in der Abenddämmerung über die futunische See Richtung Persuna gen Nordwest geht. Lediglich der gewaltige Strom von Frachtschiffen, denn immerhin ist Tzaris immer noch der zweitgrößte Hafen und viertgrößte Frachthafen des Kontinents, ist noch eine Weile sichtbar,


    Nach vielleicht einer Stunde Flug kommt dann ein weit größeres Frachtaufkommen weit unter dem Flugzeug auf, auch wenn es bereits wieder in den Sinkflug über geht. Ein wesentlich gewaltigeres Lichtermeer erblüht auf beiden Seiten der Kabine unter dem Flugzeug. Der Moloch von Persuna, welches auf Grund seiner Beachtung von Ästhetik und Parkanlagen das gesamte Delta einnimmt, Herz der futunischen Wirtschaft und größte Metropole des gesamten Kontinents, erscheint als See von Licht in der schnell fortschreitenden Finsternis des Himmels. Im Vergleich zu anderen Flughäfen scheint dieser recht klein zu sein und die Landung ist sicher nichts für schwache Nerven, so wie die Pilotin auf der kurzen Landebahn aufsetzt und abbremst.


    Dann kommt das Flugzeug zum Stehen und der Begleiter bequemt sich auf seinem Sessel heraus, steckt sein Pad ein und öffnet die Tür. Danach tritt er nach draußen, wo die Reisenden von einer kleinen Delegation aus Angestellten erwartet werden, welche Tücher gegen die Insekten sowie Wasser und Saft reichen. Es wird auf ein Dienstfahrzeug aus edlem Schwarz gewiesen, in welchem die Fahrt wohl fortzusetzen ist.

  • Ich hätte die Namen trotzdem gern erfahren.


    R O L L E N S P I E L:

    Gerade hat er sich noch gefreut, über seine momentane Situation sprechen zu können, doch da flüchtet der Mann regelrecht vor ihm, als würde er ahnen, was der "erwählte Agent des Großwesirs" im Schilde führt. Danyal schickt ihm einen anklagenden Blick hinterher, dann lässt er den Kopf nach hinten sinken. Es wird schon alles seinen Gang gehen, es sind Profis. Er schaltet das Denken aus und überlässt es der Hegemonie, das für ihn zu tun.


    Auch er zieht sein Datenpad aus der Hose, liest ein paar persönliche Mitteilungen und was es an offiziellen Nachrichten so gibt, wobei er seriös erscheinender Berichterstattung den Vorzug gibt. Recht schnell hat er alle laufenden Konversationen abgearbeitet, denn allzu viele Kontakte besitzt er nicht. Er runzelt die Stirn, als er auf das Display starrt. Machen die Interferenzen Probleme? Er wird es spätestens merken, wenn seine Antworten nicht versendet werden können.


    Er schaltet das Datenpad wieder aus und schiebt es in die Tasche, weil ihm mittlerweile übel wird. Der Flug macht ihm zu schaffen. Er schließt die Augen und erbleicht. Zwischendurch blinzelt er, um die Aussicht zu betrachten, doch die Übelkeit verdirbt ihm die Freude daran, was ihn ärgert. Unter ihm liegt Persuna, die Stadt seiner Geburt, und ihm ist schlecht. Die halsbrecherische Landung macht es nicht besser.


    Als er endlich wieder festen Boden unter den Stiefeln hat, plagt ihn immer noch das Gefühl, zu fliegen. Vermutlich wird er heute Nacht davon träumen. Er nimmt ein Insektentuch entgegen und trinkt Saft in der Hoffnung, dass er die Übelkeit mindert. Als sein Begleiter auf den Dienstwagen deutet, kann Danyal sich nur mit Mühe verkneifen, ihn wieder etwas zu fragen. Er möchte keinen schlechten Eindruck erwecken, weshalb er weitestgehend den Mund hält, doch würde er gern wissen, was genau hier vor sich geht - und warum er keine Instruktionen erhält. Für einen Parshan ist es nicht leicht, plötzlich ohne Befehle auskommen zu müssen.


    Danyal macht sich diesmal nicht die Mühe, zu fragen, ob er einsteigen dürfe, hoffend, der Fahrer würde in Anbetracht des flauen Gefühls in seiner Magengegend Milde walten lassen und nicht um die Kurven rasen. Er nimmt Platz und blickt noch immer kreideweiß aus dem Fenster, darauf wartend, ob sein Begleiter ihm auch diesmal folgen würde.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!