Rollenspiel
Auf diesem Weg passiert gar nichts. Es ist verständlich, dass Hafsa anderes erwartet. Aber das trifft nicht ein.
Auf diesem Weg passiert gar nichts. Es ist verständlich, dass Hafsa anderes erwartet. Aber das trifft nicht ein.
Als sie wiederkommt, stellt sie den kleinen Koffer mit dem Instrument erstmal zur Seite.
Ich schreibe nur die Texte, nicht die Musik selbst. Dabei helfen mir Programme im Netz. Es ist eben auch noch ein großer Unterschied zwischen dem Spielen von Noten und dem komponieren eines Stückes…
Ich kann mich meist gut selbst begleiten, aber in der Regel spiele ich entweder oder widme mich dem Gesang - beides gleichzeitig ist immer noch eine ziemliche Herausforderung, an der ich arbeite…
Sie schließt ihr Datenpad an einen kleinen tragbaren Lautsprecher an, den sie mitgebracht hat, zum Abspielen von Melodie bzw. weiteren Instrumenten zur Begleitung.
Da du so wagemutig warst mir zu sagen, dass du bereit bist zu tun was ich mag, würde ich erst etwas spielen … das beruhigt mich und dann werde ich mit Sicherheit mutig genug sein, das selbstgeschriebene Stück den Vögeln zum Besten zu geben.
Sie zwinkert ihm fröhlich zu. Dann holt sie vorsichtig und mit sichtbarem Respekt ihr Instrument aus seinem Koffer, dass sie fast schon liebevoll berührt und in Position bringt. Einen Moment verharrt sie so, atmet tief ein und drückt dann etwas auf dem Datenpad und spielt.
Sie wirkt nach wenigen Momenten deutlich entspannter im Gesicht und fast etwas, wie in einer anderen Welt. Auch kleinere Fehler, bringen sie nicht aus der Ruhe und sie leitet all die Emotion der letzten Tage für sich in dieses Instrument und somit etwas aus sich heraus.
Im Anschluss ist sie innerlich erleichtert, traut sich aber nicht wirklich ihm in die Augen zu schauen, sondern legt das Instrument zur Seite, drückt erneut etwas auf dem Pad und beginnt mit dem Lied.
Gebannt und gefesselt, lächelnd, aber auch ein wenig nachdenklich folgt Zhinan dem Gesang.
Sturm 3: Auch von einem anderen Dach versucht ein kleiner Junge einen Blick zu erhaschen. Er scheint bemerkt zu haben, dass hier etwas Außergewöhnliches im Gange ist.
Am Ende muss Zhinan sich erstmal fangen, bevor das Buch bei Seite legt und aufsteht, ein wenig wacklig und berührt.
Also. . . Das war . . . wow. Aber ich reiche dir gerne meine Hand. Und ich meine es ernst. Ich bin echt.
Auch Hafsa steht einen Moment nur da, ihre Brust hebt und senkt sich deutlich - nicht vor körperlicher Anstrengung, aber emotional war es für sie aufwühlend. Allein schon deshalb, weil sie sich damit gerade sehr verletzbar gemacht hat. Das hätte sie nicht riskiert, wenn sie ihm nicht soweit vertrauen würde, dass er das auch tut. Aber trotzdem fühlte sie sich in diesem Moment klein, verletzlich und unsicher.
Das fällt von ihr ab, als sie seine Reaktion sieht. Sie schafft es gerade nicht gleich wieder Worte zu finden und so legt sie einfach ihr Instrument vorsichtig zur Seite, dann geht sie ein paar Schritte auf ihn zu.
Das hoffe ich ganz ehrlich.
Noch eins zwei Schritte, so dass sie unmittelbar vor ihm steht. Sie streicht ein paar der kleinen Zöpfe hinters Ohr.
Irgendwie ist es leichter in der Musik Worte zu finden...
He, ich hab Musik gehört. Und irgendwer hat gesungen. Oh, störe ich gerade? Ich dachte, wir wollten jetzt zusammen essen. Damit wir genug Zeit haben, das alles zu verdauen und dann für alles bereit zu sein.
Hashim schaut zwischen den beiden hin und her, noch ein wenig verschwitzt von was auch immer für ein Training er absolviert hat.
Sie lächelt Zhinan noch einmal zu und dann dreht sie sich zu Hashim. Dabei streift ihre Hand sanft über die des Wächters.
Ich habe die Vögel hier auf der Terrasse vertreiben.
Du wirst dich doch sicher vor dem Essen noch duschen wollen, oder?
Okay, einfach das nächste Mal normal sagen, wenn ich wieder gehen soll.
Er stapft augenrollend davon. Und dann in seine Wohneinheit.
Entschuldige sein Verhalten, Hafsa, er ist nicht wie du und ich in der Hegemonie herumgereist, sondern saß daheim fest. Außer seiner Mutter und Training hatte er nichts. Da fehlt ihm das soziale Fingerspitzengefühl.
Er grinst.
Heh, er ist drei Tage älter als ich, aber trotzdem fühlt es sich so an als würde ich über meinen jüngeren Bruder sprechen.
Das Lächeln weicht bei Hashims Reaktion aus ihrem Gesicht. Offenbar war sie schon wieder ins Fettnäpfchen getreten … dabei hatte sie doch nur klären wollen, dass noch ein wenig Zeit war bis zum Essen. Etwas auf das sie mit einem Schlag nicht mehr wirklich Lust hatte. Sie schaut Hashim hinterher und dreht sich dann erneut zu Zhinan.
Ja … soziales Fingerspitzengefühl… das war wohl kaum eine ihrer Paradedisziplinen…
Das mit dem Bruder verstehe ich. Nur das ich mich in seiner Gegenwart eigentlich immer wie die kleine, nervige Schwester fühle.
Sie klingt etwas bedrückt.
Ihn vor den Kopf stoßen kann ich jedenfalls scheinbar sehr gut. Wir haben uns schon oft gestritten - ich hatte gehofft, dass wir das etwas überwunden hatten.
Sie lächelt Zhinan erneut an und versucht zuversichtlich zu klingen, was ihr nach ihrem Empfinden ganz gut gelingt.
Ich denke und hoffe doch, dass er mir bis zur Veranstaltung verziehen hat.
Ich denke, Hashim ist genauso schnell wieder beruhigt wie er sich aufregt. Da muss man einfach Zeit geben und nicht gleich hektisch rumstochern. Manche Probleme sind nach ein paar Momenten keine mehr, Einfach etwas aus dem Weg gehen. Und man muss es auch nicht klären oder überhaupt nochmal ansprechen. Es war ja nun nicht so als ob das Missverständnis eben irgendwie lebensbedrohlich war.
Sie nickt.
Ich habe schon gelernt, dass es gut ist, ihm Ruhe und Raum zu geben.
Sie schmunzelt.
Und eine nervige kleine Schwester wird man so schnell nicht los.
Wollen wir etwas essen?
Ja, aber zusammen mit Hashim. Oder willst du etwas Romantisches kochen? Dann vertröste ich ihn auf später.
Ich würde gerne mit ihm zusammen essen. Und ich hatte dich schon "gewarnt": meine Kochkünste sind auf einfache Gerichte beschränkt.
Sie hält inne.
Wobei, die sind mit viel Freude und Hingabe gekocht... Das mit dem Kochen machen wir nach dem Abend heute mal und du bildest dir dein eigenes Urteil, was meinst du?
Du willst heute nach eurem Abendprogramm auch noch kochen? Hast du soviel Hunger, dass du vier Mahlzeiten brauchst? Oha.
Sie lacht.
Nein - so hungrig bin ich definitiv nicht. Ich werde auch jetzt mehr aus Vernunft denn Hunger etwas essen.
Mit “nach dem Abend” meinte ich nicht direkt danach. Sondern in den Tagen danach irgendwann.
In Ordnung. Ich werde dann mal in meine Zuteilung sehen, was ich heute abend essen kann. Nach dem deftigen Mittag am besten etwas Leichtes.
Und so geht er von dannen.
Sie würde in ihrer Zuteilung alles für einen Salat mit ein paar gerösteten Kernen heraussuchen und sich diesen in Ruhe und summend im Küchenbereich zubereiten. Während sie sich einen Tee aufsetzt, entscheidet sie, dass sie oben auf der Terrasse essen wird.
Da Zhinan - wie sie weiß - bei ihr schläft, kommen sie sich dabei eine Weile in die Quere. Aber er ist, während sie noch Tee gekocht hat, bereits mit seinem Salat vorgegangen. Offenbar versteht er Tomaten-Schafskäse-Melone als frischen Salat.
Oben findet sie die beiden Männer in ein Gespräch über Bergsteigen vertieft. Dabei geht es wohl um Klettern in ihrer Jugend und die Flucht vor einem tollwütigen Luchs.
Der Tanz in der Kücheneinheit umeinander hat irgendwie auch etwas heimeliges und sie stört sich nicht daran.
Sie nimmt ein Tablett für ihren Tee und den Salat, der aus Blattsalat, Wildkräutern, Tomate und geröstetem Sesam besteht.
Sie sucht sich ganz selbstverständlich einen Platz bei den beiden und hört der Geschichte zu, während sie genüsslich die ersten Gabeln ihres Salates isst.
Sie sind längst gesprungen und reden über mögliche Wahlen im Dorf, dann auf den Inseln an sich und dann geht es darum, ob sich dort wirklich etwas ändern wird oder nicht. Dann verabschiedet sich Hashim, um sich fertigzumachen und Zhinan wendet sich ihr zu.
Wie ist das eigentlich mit Mitbestimmung und Wahlen bei dir daheim?
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