Beiträge von Deret

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    Man bekommt in Deret doch häufiger Touristen zu Gesicht als im Kernreich, aber meist eher seltsame Missionare, die man mitleidig auslacht, oder ganz absonderliche Entwicklunghelfer, die glauben, da Deret ein besetztes Gebiet war oder ist, dass man ihnen beim Wiederaufbau oder dem Widerstand helfen müsste. Diese Personen ziehen dann ein paar Wochen verwundert duch die Inselorte und betrachten das freie Leben und die intakte Infrastruktur und stellen seltsame Fragen. Wie die meisten Barbaren können sie nicht begreifen, wie perfide die futunische Beherrschung aussieht. Natürlich sind die Bewohner Derets auch wieder Blutgeborene, aber nach Khotso zu reisen, wäre den ach so engagierten Barbaren dann doch zu aufwendig und kritisch. So reisen sie dann in der Regel ernüchtert und frustriert ab.

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    Nach Monaten unsicherer Zuständigkeiten, soll Deret nun den alten Fürsten als neuen Fürsten erhalten, natürlich typisch futunisch ohne besondere Rangstellungen und Ansprachen, dafür aber natürlich weiterhin mit absurd uralter Abstammung, bei der all jene "echten" Adligen der Welt wie Nachfahren von Schlammspielkindern wirken. Entsprechend gab es auch keine besonderen Zeremonien, sondern schlicht einen Neuantritt, bei welchem der futunische Verwalter das Büro räumte und dem Akash der al-banabi-Linie auf Deret den Platz überließ. Die eigentliche Verwaltung übernimmt dagegen weiterhin die gewählte Regierung. Ob Deret dadurch nun doch ein eigenständiges Reich wäre, blieb völlig offen.

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    Am Tag der lahmen Flamingos zieht ein Festumzug über die Inseln Derets, um der historischen Rettung vor dem Hunger zu gedenken, bei der die zu bratenden Flamingos wesentlich langsamer als ihre geschwächten Jäger waren. Heutzutage stehen Flamingos unter Naturschutz, auch wenn so manche Alte immer noch meckert, dass man aus historischen Gründen einige kochen sollte. Aber wer hört schon auf alte Frauen?

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    Inmitten eines Tropensturms lässt sich schlecht demonstrieren ohne vom Wind fortgerissen zu werden. Von den eher abgehängten Abergläubigen der Monarinseln als "Zorn des Großwesirs" bezeichnet, zieht der Rest eines Orkans über die Inseln und deckt Häuser ab oder sammelt Boote und Stege für die spätere Verteilung von verrotendem Holz. Dazu kommt das unheilvolle Wetterleuchten und gelegentliche Grollen. Also alles dabei, um Schreckensszenarien zu erstellen.

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    Die Unruhe hat nun auch die Monarinseln ergriffen. Mehr oder weniger nicht mehr als einzelne Inselgemeinden mit bestenfalls lokaler Verwaltung hat man sich hier nach einigen eher unfutunischen Gewaltexzessen in den 80ern großteils in das Schicksal ergeben. Allerdings ist danach nie viel aus den Absichten zur Eingliederung geworden. So hat sich nicht viel verändert außer dass man hier nunmehr zur Hegemonie gehört und theoretisch Rechte und Pflichten hat, um die sich jedoch kaum jemand kümmert. Als wäre das nicht albern genug so wurden die ehemals stationierten Beamten und Parshans wieder völlig abgezogen. Es ging also nur ums Prinzip. Jedenfalls wird das nunmehr so verstanden.

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    In der Schwebe ist die Region unruhiger als je zuvor. In dieser Situation wird die Stimmung von innen und außen - durch andere futunische Regionen - weiter angeheizt. Interessanterweise ist dabei immer öfter nicht der Hohe Rat, sondern allein der Großwesir als Entscheidungsträger adressiert. Er soll nunmehr eine endgültige Entscheidung treffen, statt dem Hohen Rat immer weitere Kompromisse vorzuschlagen. Das löst auch in anderen Winkeln der Hegemonie bei den dauerhaften Verschleppungen im Hohen Rat weitgehend Zustimmung aus.

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    In einer Petition wendet sich Deret an den Hohen Rat zwecks der Aufnahme als volle Provinz. Der Rat solle die Entscheidung des Großwesirs anfechten und aufheben, um Deret nicht in die Ungewissheit zu stürzen. Das siebenundsechzig Seiten lange Formular ist eine gewaltige Willensbekundung zur Aufnahme. Allerdings sprechen Fläche und Bevölkerung gegen die Aufnahme als eigene Provinz. Deret ist zudem eine kompakte Entität und keine in viele Gebiete unterteilte Region.

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    Die eigentliche Frage des nunmehr "neuen" Shaikhan Deret ist wohl auch die der Administration. Die absurde Form der bisherigen Administration der militärischen Besatzung hat eine zivile Administration nicht gerade befördert und die ehemaligen Potentaten sind mehr als eine Dekade außerhalb jeglicher Verantwortung oder in einigen Fällen gar in Sperrzonen oder anderen Niemandsländern der Hegemonie verschwunden. Umgebracht wird sie aus Gründen der potentiellen Häresie niemand haben. So ist es absolut nicht gegeben, ein eigenständiges futunisches Reich vergleichbar mit Lehim oder auch nur etwa Hatha zu errichten, die außer ihrer geographischen Entfernung auch deutlich stärkere historische wie politische Teilungen vom futunischen Kern haben. Die Vorstellung ist daher absolut absurd, Deret in ein solches politisches Chaos zu entlassen.

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    Auf dem Markt von Dashu auf Hanir wurden am hellichten Tage Drillinge geboren. Die drei Mädchen kamen durch die Hilfe zweier anwesender Ärzte, einer Hebamme und eines freundlichen Standbesitzers ohne Komplikationen gesund zur Welt, nachdem letzter beherzt einen Stand leerte, um einen Liegeplatz zu schaffen. Die Mutter war in der Panik nicht rechtzeitig zum Krankenhaus gekommen und unter Krämpfen im Stoffhandel zu Boden gefallen. In größeren Ortschaften ist es durchaus üblich trotz der Direktlieferungen der Stiftung Persuna noch Marktstände zu haben, um im Rahmen der Zuteilung Kleidungsmaterial vor Ort zu erstehen. Viele Bewohner ziehen dies dem digitalen Einkauf weiterhin vor.

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    Ein ungewöhnlicher Kälteeinbruch hat die Temperatur auf einundzwanzig Grad Celsius im Durchschnitt absinken lassen. Diese Erleichterung in der tropischen Hitze führte zu erhöhter Produktivität, wesentlich mehr Betrieb am Tage und gestörte Schlafrythmen durch die Umstellung der Tagesabläufe. Ein frierendes Faultier kroch in ein Ehebett und weigerte sich vehement, die gemütliche Lage aufzugeben, bevor es von Tierexperten eingefangen wurde. Zusätzlich nahm der Sonnenbrand bei jeden Unvorsichtigen zu, welche gesenkte Temperaturen fälschlicherweise mit weniger Sonnenstunden und Einstrahlung in Verbindung brachten.

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    Es beginnt das traditionelle Müsliwettessen in Deret. Entgegen der Annahme, es ginge um die Masse, ist der Mittelpunkt der Veranstaltung die Kreation und Darbietung neuer interessanter Müslisorten und Geschmackskombinationen. Dabei gibt es verschiedene Felder wie Gesundheit und Sport, Kinder, süße Müslis und Fruchtbomben. Auch wenn es eben nicht um Masse gehen mag, so findet doch eine Sportveranstaltung statt, um die Kohlenhydrate gleich umzuwandeln, bevor sie als Fett einlagern. Immerhin kommt auch bei weniger süßen Müslis eine ganze Menge zusammen. Und so liegen am Ende alle satt und schlapp in ihren Betten.

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    Ein anderer Wirtschaftszweig, seltener hervorgehoben auf Grund der delikaten Natur, war die lebendige Filmszene der Inseln. Auf dem Festland durch Tempelkult und Wesirat für Kultur stark regelmentiert, war Film als Medium hier wesentlich freier, auch wenn nun das Wesirat auch hier zunehmend einmischend auftrat. In Deret wurden Probleme, Abweichungen und andere Ansichten direkt angesprochen, ganz anders als die subtileren Botschaften und Doppeldeutigkeiten des Festlandes, wo an sich freie Meinung dem Vorwurf der Ketzerei ausgesetzt war, vor allem weil Kunst und Kultur als religiöse Kerndomäne galten. Aber noch konnte das Wesirat noch nicht die dargestellten Filme wirklich beeinflussen.

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    Ein ungewöhnlicher Wetterumschwung führt eine Fuhre eiskalten Regens über die Inseln hinweg, wodurch sich Dutzende von Leuten erkälteten. Das seltsame Ereignis führte dann auch zu einer wissenschaftlichen Untersuchung und der Regierungsbetreuung der Opfer. Allerdings ließ sich das Wetterschauspiel nicht wirklich erklären. Zu einer dauerhaften Temperaturänderung kam es nicht. Damit blieb es bei einem seltsamen regionalen Phänomen.

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    Es gab immer noch Spannungen, auch wenn Deret als befriedet galt. Immerhin war das Hin und Her zwischen den verschiedenen Stati anstrengend und die erzwungene Teilhabe an der Hegemonie eine eher lästige Angelegenheit für viele der Bewohner. Schließlich war Deret eben gerade als Ausstieg aus der Hegemonie begründet worden. Dass diese einem nun hierher folgte, war entsprechend nervig. Aber nun war auch kein wirklicher Ort da, an dem man von hier aus noch weiter fortsiedeln konnte und eben auch ein gewisser Patriotismus vorhanden. Die Hegemonie wieder loszuwerden, war natürlich utopisch und unrealistisch. Und so ergab man sich in sein Schicksal, wenn eben auch nur unter Protesten und wohl eher unzufrieden.

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    Eine leidige Debatte vermag der Verbleib der deretischen Handelsflotte und Marine zu sein. So es eine Eingliederung gibt, sind diese in die Struktur des Oberkommandos beziehungsweise ins Wesirat für Wirtschaft zu geben, aber die Größe ist dennoch beachtlich, wenn auch bei weitem nicht so modern wie die futunische Entsprechung. Im besten Fall wäre es also eine kleine Erweiterung, im schlechtesten eine Hinderung durch technische Unterlegenheit. Vielleicht ist dies einer der Gründe, warum sich der Großwesir der Eingliederung verweigert.

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    Einen wichtigen Teil der Wirtschaft stellte auch die Textilindustrie dar, welche gar so erfolgreich in Qualität und Geschwindigkeit war, um ihre Waren auch im Kernreich und der gesamten Hegemonie gut zu verkaufen. Auf Hanir befanden sich dazu umfangreiche Baumwollpflanzungen, welche dieses ökonomische Unterfangen am Laufen hielten und damit auch mehr einspielten als die Seidenproduktion des Kernreichs. In den vergangenen Jahren begann jedoch eine Konzentration auf synthetische Stoffe und Fasern sowie Fäden und deren Eindringen in die Massen- und Individualproduktion, vor allem in den dreidimensionalen Druck von Kleidung nach Maß und Anforderung.

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    Technologische Innovation wurde normalerweise mit den Konzernen oder der Akademie verbunden, nicht mit einer kleinen Riege aus Waschmittelforschern in einem winzigen Labor mit vier Versuchsmaschinen und weißen Kügelchen. Doch wurde gerade hier Geschichte bei der Wassereinsparung und Wirksamkeit geschrieben. Jene Art Nachhaltigkeit sollte sich ergeben, mit der futunische Industrie in aller Welt warb, die aber auch nicht meilenweit vor dem Rest der Welt lag. Doch hier im kleinen Kasba auf der Ostinsel Derets kam es zu einem maßgeblichen Durchbruch, auch wenn es wohl lange dauern mochte, bis die Welt etwas davon erfuhr.

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    Die Waldaufforstungsmaßnahmen gehen gut voran, auch wenn das Projekt in den letzten zwanzig Jahren fast sieben Mal vor dem Aus stand. Von Unverträglichkeiten des Bodens, Absacken des Grundwasserspiegels und der Einschleppung invasiver Arten bedroht, hat sich der Waldanteil doch wieder soweit erholt, dass eine normale Waldwirtschaft stattfinden kann. Der Baumbestand litt vorher weitgehend unter dem Versuch Derets sich mit Hilfe dieses natürlichen Rohstoffes aus den Fängen der Agrargesellschaft zu befreien. Dies war weitestgehend erfolgreich, führte jedoch zu einer Entwaldung auf den beiden nördlichen Inseln, wodurch auch wertvoller Boden ins Meer gespült wurde und Naturreichtum verloren ging. Diese Verluste aufzuarbeiten, dürfte aber eine Sache von Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten werden.

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    In Deret ist der Missmut weit verbreitet, denn das Vor-und-Zurück der Hegemonie in Sachen Integration, Assimilation und Sonderstatus ist kein Beitrag zu Stabilität und Ordnung. Noch dazu wird das etablierte Staatswesen mit der Desorganisation der südlichen Inseln zusammengeworfen, die in Deret bestenfalls als unwichtig und schlimmstenfalls als lästig empfunden werden. Die Monarinseln gelten auch als unattraktiv und zurückgeblieben, während Deret dabei war, sich die moderne Marine zuzulegen, als die Hegemonie mit der Tür ins Haus fiel. Eine unabhängige Option ist mittlerweile durch das wirtschaftliche, kulturelle und militärische Übergewicht der Hegemonie nicht mehr tragfähig, aber vielleicht muss man doch einmal den Rahmen austesten, damit Bewegung in die Angelegenheit gerät.