Beiträge von Tiam Torabi

    R O L L E N S P I E L:

    Fasziniert beobachtet Tiam, was sein Datenpad so treibt. Vor allem interessiert ihn, ob eine Person am anderen Ende sitzt, die ihn als Individuum wahrnimmt, oder eine künstliche Intelligenz, die Nachrichten ausspuckt. Die sind inzwischen ziemlich gut und nicht zwingend auf den ersten Blick von einem menschlichen Gesprächspartner zu unterscheiden. Die persönliche Ansprache mit Namen und der Willkommensgruß deuten auf einen Menschen hin, ebenso wie der konkrete Auftrag - wenn es denn ein Auftrag ist und keine Fallgrube, um ihm das Geld aus den Taschen zu ziehen, anstatt ihm welches zukommen zu lassen. Ja, es wird ein Mensch sein.


    Tiam ist ein Spieler, ihn schreckt die Aussicht auf Gefahr nicht. Bevor er sich anzieht, um sich draußen umzuschauen, benötigt er ein Ziel, und so füttert er die Suchmaschine des Weltnetzes mit dem Namen Gao Fu und mit der Formulierung Tanz der sterbenden Schwalben auf der Suche nach Anhaltspunkten, wohin er seine Schritte wenden soll. Während die Suche läuft, wippt er langsam auf der Matratze von rechts nach links, die Augen auf das arbeitende Datenpad gerichtet.

    R O L L E N S P I E L:

    Mist. Tiam muss gründlich nachdenken. Der Sinn eines Rätsels ist nicht das stupide Ausprobieren aller möglichen Varianten, es sei denn, es ist ein schwaches Rätsel, aber der Shaikh wird sich nicht mit Kinkerlitzchen begnügen. Sicher gibt es Hinweise, Tiam hat sie nur noch nicht gefunden oder übersehen. Auch wenn es ihn stresst, dass sein Datenpad gesperrt ist, findet er den Adrenalinrausch großartig. Die Wut wird später kommen, wenn er es unbedingt benutzen will, noch ist er vergnügt und wippt.


    Er tippt:


    Natürlich möchte ich reich werden! Wer möchte das nicht? Auftrag wird erledigt, wenn ich Gao Fu finde und er mir zuhört.

    R O L L E N S P I E L:

    Als Tiam bewusst wird, dass er sein Arbeitspad noch hat, keucht er vor Erleichterung. Macht sich hier eine Sucht bemerkbar? Wer weiß, in jedem Fall nimmt es den Druck von seinem Herzen. Er macht sofort ein Bild von sich auf dem Bett, samt Wasserpanorama als Hintergrund. Dann versucht er noch einmal, das Rätsel seines versiegelten Privatpads zu knacken und tippt:


    sehr schlechter Lügner

    R O L L E N S P I E L:

    Die Wohnung gefällt Tiam. Er findet sie keineswegs zu klein. Ein Bad ist ja nicht zum Tanzen da, sondern, um es zu benutzen. Und das Doppelbett für ihn allein ist großartig, endlich kann er wieder ausgebreitet schlafen! Gäste wird er wohl eher nicht mitbringen. Immerhin ist das nun sein Hauptquartier, seine Schaltzentrale! Er breitet sich aus und hängt das Hemd und den Anzug ordentlich auf, damit die guten Sachen auslüften können und keine Falten bilden. In knallroter Unterhose und schwarzen Socken hopst er auf das Bett, sein Pad in der Hand. Die Krawatte hängt ihm locker um den Hals.


    Wollen wir doch mal sehen.


    R O L L E N S P I E L:

    Er muss Fotos machen und an seine Kontakte kommen! So versucht er, das Rätsel zu lösen, das sein Pad versiegelt. Er beschließt, erst einmal vom Guten auszugehen, was die Ergänzung der Worte "Ich bin ein" anbelangt.


    Reporter!

    Agent!


    R O L L E N S P I E L:

    Vielleicht ist es nur eine Ermahnung oder Erinnerung. Nacheinander gibt er diese Worte ein. Dabei wackelt er aufgeregt mit dem Fuß.

    R O L L E N S P I E L:

    Wer weiß, was für eine schmeichelhafte Fortsetzung sich der Shaikh überlegt hat, mit der Tiam sich beim Vorzeigen des Pads blamieren darf? "Reporter" ist es vermutlich nicht. Missgelaunt wartet Tiam, bis Faantir Gried sich entfernt hat, ehe er sich erhebt, seinen Koffer schnappt und seine Papiere samt den übrigen Unterlagen abholt.


    Nach einer kurzen Sichtung stopft er die wichtigsten Sachen in die Innentasche seiner Anzugjacke, zieht auch den Reißverschluss zu. Der Rest landet im Koffer, mit Ausnahme des Stadtplans. Nachdem er sich eine Orientierung verschafft hat, steckt er ihn zusammengefaltet in die Außentasche und macht sich auf die Suche nach seiner Unterkunft.


    Er wählt trotz des ungeeigneten Schuhwerks den Weg zu Fuß, um seine schlechte Laune zu bekämpfen, die ersten zwanzig Minuten unentwegt gedanklich vor sich hinschimpfend, wobei Zhuo Lin besonder schlecht wegkommt.

    R O L L E N S P I E L:

    Eine körperliche Konfrontation wäre in der Tat aus gleich mehreren Blickwinkeln heraus selten dämlich:


    Erstens, Tiam würde verprügelt werden. Wenn nicht vom Shaikh, dann von dessen Helferinnen. Im ungünstigen Fall bekäme er von allen dreien aufs Maul. Er ist hier klar in der unterlegenen Position.


    Zweitens, man würde einen Angriff auf den Shaikh von Alegon sicher nicht nur mit ein paar Schlägen vergelten. Sofern Tiam das überleben würde, wäre er hinterher gesellschaftlich ruiniert.


    Drittens, er wäre danach schmutzig und verbeult, sein Anzug kaputt und sein Gesicht für geraume Zeit nicht mehr vorzeigbar. Wahrscheinlich würde in der Zwischenzeit auch noch jemand seinen Koffer klauen und seine Uhr aus Yanth unter den Gesetzen der Physik leiden.


    Tiam ist berechnend genug, um seine ungünstige Situation einzuschätzen. So winkt er ab, als hätte Faantir Gried nur einen Scherz gemacht.


    Gut, ich korrigiere: keine plumpen Ablichtungsversuche mehr. Deine Wächterin meinte, mein Quartier sei in meinen Papieren vermerkt, die sie danach in den Dreck warf. Aber ich kam noch nicht dazu, sie wieder aufzuheben und draufzuschauen. Zudem gab sie mir zu verstehen, ich würde mit Papieren und Pad problemlos hineingelangen. Aber trifft das auch auf das versiegelte Pad zu?

    Diese Anschuldigung weise ich zurück! Ich habe deinen Sohn fotografiert, weil jeder ihn zu kennen schien. So wollte ich seine Identität mithilfe des Weltnetzes überprüfen. Da mein Datenträger wohl soeben geprüft wurde, sollte dir bekannt sein, dass keine Schmuddelbilder von Kindern darauf zu finden sind.


    R O L L E N S P I E L:

    Dafür haufenweise andere Schmuddelbilder und Filmchen, die erahnen lassen, dass Tiam abgestumpft ist und intensive Reize benötigt, die einen feinfühligen Geist wahrscheinlich anwidern würden. Er scheint kaum moralische Grenzen zu kennen und keine Präferenz hinsichtlich des Geschlechts zu zeigen.


    Zynischer Weise sind, passend zur Drohung von Faantir Gried, unter anderem auch Aufnahmen eines entmannten Straftäters zu finden, der von einem Parshan in Uniform bestiegen wird. Ob diese Aufnahmen echt sind, inszeniert oder gänzlich digital erstellt wurden, weiß Tiam nicht und es ist ihm auch egal.


    Jetzt erst bemerkt Tiam, dass sein Pad mit einem Schutz versehen wurde. Er schaut den Shaikh mit einem unglücklichen Lächeln an.


    Womit verdiene ich das? Könntest du mir wenigstens noch sagen, wo mein Quartier zu finden ist und wie mein Chef heißt? Sonst irre ich wohl noch ewig durch Diyarasu und mein Pad ist mir gegenwärtig keine Hilfe. Ich werde natürlich deinem Wunsch entsprechen und deinen Sohn nicht mehr ablichten.

    R O L L E N S P I E L:

    Tiam hört auf zu spielen, lässt die Hände sinken und blickt aus dem Sitzen zum Shaikh auf.


    Ja! Könnte ich bitte mein Datenpad wiederbekommen? Ich benötige es zum Arbeiten, außerdem sind all meine privaten Kontakte darauf gespeichert! Wenn ich nicht mehr antworte, könnten meine Leute das in den falschen Hals bekommen.

    R O L L E N S P I E L:

    Tiam verkneift sich jedweden Kommentar, blickt dem Shaikh aber ausgesprochen giftig hinterher. Da von den unhöflichen Wachen auch kein sinnvoller Ratschlag zu erwarten ist, geht er die Straße entlang, bis er eine Sitzgelegenheit findet. Dort lässt er sich nieder und brütet in finsteren Gedanken. Zum Glück trägt er seine Uhr aus Yanth noch ums Handgelenk. An der spielt er ein wenig herum, um sich zu trösten, während er nachdenkt, was er nun tun könnte ohne sein Pad, das er angeblich zur Identifikation braucht. Es würde nur noch fehlen, dass es zu regnen beginnt.

    R O L L E N S P I E L:

    Der Arm mit dem ausgestreckten Finger sinkt nach unten. Tiams Standardlächeln, das ihm nun wieder ins Gesicht schnellt, verrät aufgrund seiner Deplatziertheit, dass er eine heftige Gefühlswallung zu unterdrücken versucht. Mehrere! Seine Daten, seine geheiligten Daten. Die Kontakte. Das Dienstpad, das Eigentum des Großwesirs. Und hier steht der Vater des Lausbuben, erklärt Tiam zu Luft und ist zu wichtig, um ihm die Meinung geigen zu dürfen!


    Tiams Lächeln gewinnt an Sicherheit und es gelingt ihm trotz des Zorns, seiner Stimme einen freundlichen Klang zu verleihen:


    Entschuldigung für die Einmischung, aber ich fürchte, mein Datenpad ist soeben ohne mich in dieses Gebäude gewandert und hatte deinen Sohn in Begleitung. Wäre es denkbar, diese Möglichkeit zu überprüfen?


    R O L L E N S P I E L:

    Er blickt sehr liebenswürdig drein.

    R O L L E N S P I E L:

    Er hätte sich beim Vorwurf des Versagens demonstrativ ein Stäubchen vom Ärmel geschnippt, aber sein Pad, sein PAD! Er zeigt mit dem Finger anklagend an der Faust vorbei in die Richtung, in welche das garstige Balg verschwunden ist.


    Da sind meine ganzen Daten drauf! Wenn das der Sohn vom Chef war, dann muss ich erfahren, wer der Chef ist!

    Du meinst, sie trägt für gewöhnlich eine freundliche und zuvorkommende Maske. Das ist ein himmelweiter Unterschied. Aber bei mir hat sie eine andere gewählt. Dafür kann ich natürlich nichts, ich wollte nur nett plaudern.


    R O L L E N S P I E L:

    Als sein Gegenüber das Pad erwähnt, merkt er, dass eine seiner Taschen sich ungewohnt leicht anfühlt. Er tastet hektisch daran herum und gibt einen verblüfften Laut von sich.


    Mein Datenpad ist verschwunden! Gerade war es doch noch da?!


    R O L L E N S P I E L:

    Sein Blick bohrt sich zwischen den Wächterinnen hindurch in den schmalen Rücken des davongehenden Jungen.


    DU KLEINE KRÖTE HAST MEIN PAD GEKLAUT!

    Sie schmollt mit mir. Hat mich vor dem falschen Gebäude abgesetzt und ist mit dem Auto fortgefahren. Was kann man da machen? Irgendwie muss ich ja zu meinem Bestimmungsort gelangen.


    R O L L E N S P I E L:

    Er schaut kurz dem Jungen hinterher. Vermutlich ist er der Sohn von irgendwem Wichtigen, so wie er hier herumstolziert.

    R O L L E N S P I E L:

    Tiam zeigt etwas, das er für ein gewinnendes Lächeln hält, während die Damen ihn mustern. Seinen Agentenausweis wird er ihnen sicher nicht unter die Nase halten, aber den seines zivilen Deckmantels dürfen sie gern sehen. Mit einer elganten Handbewegung zieht er die Papiere hervor, ohne überhaupt zu wissen, was für ein Gebäude die beiden bewachen. Während er ihnen die Papiere hinhält, sagt er liebenswürdig:


    Masa al'hrem! Tiam Torabi, Reporter. Ich hoffe, ich bin hier richtig.

    R O L L E N S P I E L:

    Als ihm der Junge entgegenkommt, zieht Tiam mit der freien Hand sein Datenpad hervor, tut, als würde er eine Nachricht lesen. Dabei lichtet er den Jungen ab. Mal sehen, was die Bildersuche ergibt, wenn er später das Gesicht einspeist. Wenn der Kleine so bekannt ist und alle ihn fliehen, muss er ja bekannt und somit zu finden sein. Tiam packt das Gerät wieder weg und marschiert weiter. Dabei betrachtet er nachdenklich die Gebäude. Mit einem gestressten


    Hach!


    R O L L E N S P I E L:

    folgt er seiner Intuition und lenkt seine Schritte in die hintere Richtung. Er verzichtet darauf, zu rennen, um nicht keuchend und verschwitzt einzutreffen. Wenn man zu spät kommt, dann in Würde.

    R O L L E N S P I E L:

    Da rennt sie davon, seine Geschichte! Mit dem Koffer in der Hand und den feinen Schühchen, dank deren glatter Sohle man wunderbar ausrutschen kann, würde Tiam Xian Pei nicht folgen können.


    Ach, nein


    R O L L E N S P I E L:

    , ruft er bedauernd. So ein Pech. Um seine Würde wieder herzustellen, strafft er die Schultern, rückt den Knoten seiner Krawatte zurecht und stolziert den Weg zurück in Richtung des Bürogebäudes, dem Unheil entgegen. Er hat einen Termin mit dem Schicksal!

    Die wissen doch gar nicht, dass ich Agent bin. Oder sollten es nicht wissen! Ich möchte jedenfalls nicht vor ein Auto geschubst werden.


    R O L L E N S P I E L:

    Und so geht er auf jene Seite von Xian Pei, die den entgegenkommenden Sicherheitsleuten voraussichtlich abgewandt sein wird, wenn sie aneinander vorbei gehen, ehe sich das Problem von selber löst, als die Gestalten plötzlich abbiegen.


    Ha! Hast du gesehen, wie sie flitzen? Mein Ruf als Reporter eilt mir entweder voraus oder sie mögen nicht die Person, die uns verfolgt. Kulturen können auf mannigfache Weise scheitern. Angenommen, wir beide würden eine Rundreise durch Diyarasu unternehmen: Wofür würdest du dich hier am meisten schämen?

    Huch, wer ist das da vorn? Scheint mies gelaunt zu sein. Lass uns besser Abstand halten.


    R O L L E N S P I E L:

    Er macht Anstalten, die Straßenseite zu wechseln, hält sich aber neben Xian Pei, um ihr Gespräch fortsetzen zu können. Der wird schon wissen, ob man ausweichen sollte oder nicht.


    Thematisch gibt es sogar zwei Vorlieben.


    Erstend bin ich gern nahe am Geschehen, wenn Katastrophen stattfinden. Das hört sich voyeuristisch an, aber du musst verstehen, dass ich für die Zukunft mit einer Spezialisierung in Richtung Katastrophenschutz oder Feuerwehr liebäugel, falls es sich ergibt. Besonders die Jungs von der Feuerwehr sind einfach klasse. Da ist es für mich natürlich interessant zu sehen, wie sie dem Chaos begegnen und wieder Ordnung stiften. Ich habe schon sehr viele Artikel für sie verfasst und auch schon das eine oder andere Mal dienstlich in ihren Alltag reingeschnuppert.


    Zweitens interessiere ich mich für Kulturen. Ich arbeite nämlich an einem Buch namens "Die Chroniken des Scheiterns". Auch schlechte Beispiele sind gute Beispiele: Man lernt von ihnen, wie man es nicht machen sollte. Und mein Buch soll eine Sammlung schlechter Beispiele werden.


    Drei! Drei Themen! Das Wichtigste hätte ich fast vergessen. Uhren, Xian Pei! Ich interessiere mich für, nein, ich liebe Uhren.