Beiträge von Tiam Torabi

    R O L L E N S P I E L:

    Da er durchnässt und durchgefroren ist und nicht zu den hitzeempfindlichen Leuten zählt, stört ihn das nicht weiter. Er will sich erstmal richtig schön aufwärmen, ehe er die Heizung ein Stück herunterreguliert. Noch ist ihm kalt, aber er spürt, wie die Wärme langsam durch seine Haut kriecht. Mit dem Datenpad kuschelt er sich ins Bett, stellt wiederholt fest, dass niemand ihn beachtet, rümpft verärgert die Nase und probiert dann noch einmal, Xaxai Anwar anzurufen.

    Du kannst ja richtig nett sein! Ich weiß gar nicht, warum du das letzte Mal so gemein sein musstest, ich bin ein echt netter Kerl und habe so eine Behandlung nicht verdient. Aber die Decke tröstet mich darüber hinweg, herzlichen Dank.


    R O L L E N S P I E L:

    Erleichtert wickelt Tiam sich in die scheinbar wasserdichte Isolierdecke. Vielleicht besteht die Kleidung des Alten aus dem gleichen Material?! Normal ist das nicht, bei einem Starkregen so wenig nass zu sein, denn die Wassermassen genügen, um jemanden binnen Augenblicken bis auf die Haut zu durchnässen. Gebückt wie eine alte Hexe kommt Tiam schließlich an seiner kleinen Wohnung an. Als erstes schmeißt er die nassen Sachen in die Dusche. Klappernd untersucht er dann die Bauweise der Wohnung, um herauszufinden, ob er die Heizung stärker aufdrehen kann.

    R O L L E N S P I E L:

    Bald ist Tiam völlig durchweicht, sein rotes Haar wirkt braun und der dunkelgrüne Jogginganzug schwarz. Als der Wind ihn auf alle viere zwingt, dämmert Tiam, dass es vielleicht keine gute Idee gewesen ist, die Unwetterwarnung zu vergessen. Als der Sturm noch weiter zunimmt, muss der Diamant auf der Krone der Schöpfung gar auf dem Bauch durch den Dreck kriechen. Er grinst bei dem Gedanken vor sich hin, während schmutziges Wasser um ihn her über Wege und Straßen fließt.


    Seine neuen Kleider sind nun genau so dreckig wie die anderen, doch so lange er sich bewegt, wird ihm nicht kalt. Da er das Robben während der Grundausbildung öfter hatte üben müssen, kommt er zumindest einigermaßen "zügig" voran, als er zurück in Richtung Wohnung kriecht. Ihm wäre schon wohl, wenn er es nur von der Brücke herunter schaffen würde ...

    R O L L E N S P I E L:

    Mit seiner neuen Kleidung und einem ebenfalls erworbenen sackartigen Sportrucksack unternimmt er einen Abstecher zu seiner kleinen Wohnung, um sich umzuziehen und die eingeweichte Wäsche über den Möbeln zum Trocknen zu verteilen. Was er nun trägt, hatte einen Preis, der ihm zumindest klein erschien. Das Stöbern hat ihm ziemlichen Spaß gemacht. Nun in einem moosgrünen Jogginganzug, der seiner Haarfarbe schmeichelt, und mit neonorangefarbenen Turnschuhen angetan, macht er sich auf den Weg zu den beiden Türen.


    Die Tropfen klatschen auf ihn hinab, als er vor die Haustür tritt, und der Wind fährt ihm ins Haar. Den Schirm lässt er trotz des Regens lieber zu Hause, weil er ihm viel zu wertvoll für seinen Streifzug erscheint. Im Rucksack befinden sich natürlich keine Utensilien für den Sport, wie ein Handtuch, ein Duschbad oder dergleichen, sondern die beiden Datenpads, das Notizbuch und ein Stift. Auch ein paar Erdnussriegel und eine Flasche mit einem Energiegetränk purzeln darin herum.


    Diesmal möchte er die rechte Tür untersuchen, hinter der sich angeblich die Kneipe befindet.

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    Wenn die Schöpfung eine Krone trägt, auf der in großen Lettern BLUTGEBOREN prangt, ist Tiam der Diamant auf der Spitze. So ist es nur natürlich, dass er untertäniges Verhalten ihm gegenüber als angemessen erachtet. Also bestellt er sich eine Schüssel voll mit Marmelade gefüllten Reisbällchen und genießt das devote Gebaren der renzianischen Bedienung, die dann auch ein kleines Trinkgeld erhält.


    Vielleicht bucht er später noch Gesellschaft für eine Nacht. Das wäre für ihn ein Novum, irgendwer findet sich doch eigentlich immer, wenn man nicht gerade Danyal Khaje heißt oder sich wie jener benimmt. Bisher hatte er das nie nötig. Aber hier kennt Tiam sich nicht aus, alle sind gemein und abweisend und er sieht gar nicht ein, deswegen auf seine gewohnten Annehmlichkeiten zu verzichten.


    Mit vollem Magen, das Ego wieder vollständig aufgeplustert, beschließt er, zunächst nach einem Klamottengeschäft mit billiger Alltagskleidung Ausschau zu halten. Schließlich will er noch mal das Geheimnis zu ergründen versuchen, dem er gestern ganz dicht auf der Spur war.


    Dabei gehen ihm allerdings die verstörten Drillinge und der einsame Imitator im Keller nicht aus dem Kopf, so wenig wie das hartnäckige Schweigen aller, die er damit konfrontierte.

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    Er hat es so unendlich schwer! Nun muss er sich wahrscheinlich von einem hässlichen kleinen Renzianer hofieren lassen, nur wegen des fantasielosen Wesirates für Kultur! Er fragt sich, ob dessen Bluthunde auch an die Tür klopfen, wenn er im Bett mal in eine entsprechende Richtung spielt. Aber jetzt muss er erstmal andere Bedürfnisse befriedigen, er will was futtern und dabei mit geheuchelten Nettigkeiten überhäuft werden. Er hält also bei den Imbisständen nach extra kriecherischen Renzianern Ausschau.

    Ich habe allerdings jetzt Hunger und nicht vor, ihn bis nächsten Monat andauern zu lassen. Die schlechte Laune möchte ich niemandem zumuten. Ich wünsche noch einen angenehmen Tag.


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    Damit marschiert er erhobenen Hauptes wieder nach draußen und versucht sein Glück nun bei den Straßenlokalen, die futunische Speisen anbieten. Ein Stück Heimat, wenn es nach ihm ginge. Vor allem aber achtet er darauf, dass die Bedienung einen freundlichen oder besser noch kriecherischen Eindruck macht, irgendwen schleimigen, der Tiam für ein paar Kröten nach Kräften zu hofieren gedenkt.

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    Der ungewohnten Anrede im Plural passt Tiam sich mühelos an.


    Ist gegen eine Spontanitätspauschale vielleicht noch ein Platz frei ohne Reservierung? Der Duft Ihrer Muscheln ist zu köstlich. Können Sie mir andernfalls eine Alternative empfehlen?


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    Tiam hebt ein wenig die Brauen, aufgrund seiner momentan guten Laune noch immer äußerst liebenswürdig dreinblickend. Die Bitte darum, die Konkurrenz zu empfehlen, wenn man hier nicht bedient wird, ist je nach Unternehmen manchmal ein wahrer Türöffner.

    R O L L E N S P I E L:

    Eigentlich will Tiam dem Jungen noch etwas Geld für den Schirm zustecken, aber da der Kleine das Weite sucht, muss der Schirm ein Geschenk bleiben. Er kommt gerade noch dazu, ein Danke hinterherzurufen. Jetzt erst fällt Tiam auf, was für ein edles Gerät er in der Hand hält. Und er hatte schon gedacht, hier in Diyarasu wären alle Jungs bösartige Rotzlöffel und würden zum Schutz der Allgemeinheit in einsame Keller gesperrt werden müssen. Bei dem Gedanken muss er grinsen.


    Zufrieden spannt er seinen Nobelschirm auf und nimmt sich nun alle Zeit der Welt, die in Frage kommenden Lokale zu begutachten, ehe er sich für die "Muscheln der Götter" entscheidet. Nach all dem Stress will er sich mal so richtig verwöhnen und da ist das Beste gerade gut genug. Wieder guter Dinge tritt er ein.

    R O L L E N S P I E L:

    Ach nein! Verärgert blinzelt Tiam hinauf in den Regenhimmel, spürt den kalten Nieselregen auf seinem Gesicht. Sein guter Anzug und Regen, das verträgt sich nicht. Er braucht einen Schirm oder muss irgendwo unterkommen. Es wird dringend Zeit, dass er seine Alltags-Gammelklamotten gewaschen bekommt. Am besten, er kauft nach dem Essen Waschmittel und einen Schirm. Und noch ein zweites Paar Gammelklamotten, in ortstypischem Design. Aber erstmal irgendwo einkehren.


    Er schaut sich um nach einer Lokalität, in der er mit seinem Anzug nicht weiter auffällt. Vorher macht er noch ein Foto von sich in seinem schicken Anzug, dass er Danyal schickt, damit der Blödmann endlich fragt, wo Tiam sich befindet! Dann macht Tiam sich auf die Jagd nach etwas Essbarem, penibel um die wachsenden Pfützen herumspazierend.

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    Was für elende Ziegen! Aber Tiam lächelt und schweigt, während er die gesamte Fahrt mit der besagten Zunge in seiner Wange herumbohrt. Am Ende marschiert er in altem Elan mit einem Grinsen zur Tür hinaus, als hätte er soeben eine dicke fette Gehaltserhöhung erhalten. Er würde schon herausfinden, was hier schief lief.

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    Als sich die Waffe auf ihn richtet, ändert sich wenig an seinem Ausdruck, abgesehen davon, dass das Grinsen eingefroren zu sein scheint. Er legt den Kopf schief und hebt fragend die Brauen, während langsam seine Hände in die Luft wandern. Als die Situation sich auflöst, lacht er kieksend vor Erleichterung.


    Mädels, ich mache keinen Ärger, ich leiste Aufklärungsarbeit. Aber da sich niemand über diesen geheimen Keller zu wundern scheint, ist offenbar alles gut. Mögt ihr mir vielleicht verraten, wer der junge Mann war, der hier hauste? Er kam euch vielleicht entgegen und mir etwas einsam vor.


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    Artig geht er in den Fahrstuhl, wo er harmlos und liebenswürdig in der Ecke steht und auf die beiden Frauen wartet.

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    Tiam indes ist genauso gestresst, nur macht es sich bei ihm eben anders bemerkbar. Nachdem er den Sessel mit dem Knie, der Hüfte und dem Hintern an Ort und Stelle geschoben hat, grinst er die finster dreinblickenden Wachen munter an.


    Guten Morgen, die Damen. Ich nehme an, ihr seid gekommen, um mich hier rauszulassen?

    Doch, doch! Habe ich. Diese zwei Gestalten, die mich am Flughafen abgeholt haben, mit denen stimmt was nicht. Die Zierliche und der Große, kennst du ihre Namen? Aber sag, den Raum mit den Monitoren und den Drillingen - der ist nicht verdächtig? Oder dieser gruselige Keller hier unten? Wie wäre es mit mysteriösen Bausubstanzen im Untergrund der Kanalisation? Wirklich alles normal für die Verhältnisse von Diyarasu?


    R O L L E N S P I E L:

    Beim Sprechen schiebt Tiam ein schweres Sitzmöbel in die Tür, so dass sie nicht mehr zufallen kann.


    Schneckchen, ich bin gerade in Not und Gefahr, wurde meiner Freiheit und damit eines meiner Blutgeborenenrechte beraubt. Kannst du nicht bitte am Datenpad bleiben? Wir könnten zusammen in diese anderen Türen da schauen, ich muss wissen, was dahinter ist, bevor ich nach oben fahre. Ich glaube kaum, dass das Datenpad ohne deine bezaubernde Anwesenheit funktioniert, oder? Wollen wir die Türen nicht gemeinsam öffnen?


    R O L L E N S P I E L:

    Vorher war zumindest nichts passiert, als er an der Tür vom Haupteingang rumdrückte und das Datenpad in seiner Tasche sich nahe der Stelle befand, an die er es auch gerade eben gehalten hatte.

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    Tiam schaltet also den Lautsprecher an und trägt das Datenpad mit der Kamera voran durch die Räumlichkeiten. Er zeigt zuerst die Tür ohne Schloss, dann alles übrige.


    Das Ganze begann mit einem schlecht gelaunten Sicherheitsmann. Ich wollte ein wenig Spaß machen, da stellte er den Fahrstuhl so ein, dass er hierher führte. Kannst du dir das vorstellen? Nur wegen einem harmlosen Scherz tut er mir das an. Der hat garantiert gewusst, was passieren würde.


    Als ich aus dem Fahrstuhl stieg, war da eine Kammer mit Abwasserrohren, auf dem Boden ein mysteriöses Zeichen. Und dahinter liegt eine Wohnung, in der ich jetzt bin. Hier war bis gerade eben ein Kerlchen, das hat sehr nett gewirkt, scheint aber ein begnadeter Schauspieler zu sein. Er sagte, er bekäme nur selten Besuch. Dann schlug er die Tür zu und ging zum Fahrstuhl, der scheinbar über eine Sprachsteuerung bedient wird. Seither stecke ich hier fest.


    Und was meine Leistungen betrifft: Es gibt keine! Es läuft alles schief! Nicht einmal der Chef wollte mich sprechen, stattdessen brachte man mich in einen Raum voller Monitore, wo verängstigte Drillinge mich mit Schokoriegeln und Schmuddelheftchen versorgten. Die Drei wirkten völlig durch. Wenn du mich fragst, brauchen die Hilfe. Vielleicht sind die genau so eingesperrt wie ich und der Schauspieler?

    R O L L E N S P I E L:

    Als ihm bewusst wird, dass er so nicht weiterkommt, lässt er die Fäuste sinken und dreht sich um. Er lauscht, riecht und fühlt in den Raum, während seine Blicke über alle sichtbaren Oberflächen gleiten. Seine Sinne sind so wach, dass ihm sein eigener Herzschlag wie ein Donnern in seiner Brust erscheint und sein Atem wie ein lautes Schnaufen, obwohl er leise und kontrolliert atmet.


    Seine Wut auf den Sicherheitsmann und den falschen Tiam mischt sich mit aufkommender Verzweiflung. Doch noch hat er fast alles im Griff und der Raum scheint ja nur eine Kellerwohnung zu sein. Er wird jetzt alles anwenden, was er in seiner Ausbildung gelernt hat, und die Umgebung systematisch in einem Muster erkunden, das ihm möglichst gute Deckung bei günstigen Einblick erlaubt! Langsam und beinahe lautlos geht er durch den Raum, alle Sinne hellwach.


    Ist hier noch etwas das seiner Wahrnehmung zuvor entgangen ist? Oder jemand?! Sein erstes Ziel ist die Flasche, die eine brauchbare Schlagwaffe ergeben wird.

    Hör ihm nicht zu! Ich bin das nicht, das ist ein mieser Identitätsdieb, ich bin hier unten gefangen! HILFE!


    R O L L E N S P I E L:

    Tiam brüllt aus voller Kehle, dann donnert er mit den Fäusten gegen die Tür. Wenn er die Stimme des falschen Tiams da draußen versteht, mag es sein, dass man sein Gezeter und Gepolter durch den Lautsprecher vernehmen kann.

    R O L L E N S P I E L:

    So ein Dreck! Tiam wirft sich gegen die zugeschlagene Tür und krallt mit den Nägeln in die Kante, die er rasch entlanggleitet, auf der Suche nach einer Möglichkeit, sie doch noch aufzubekommen. Gleichzeitig schiebt er mit aller Kraft mit der Schulter. Wie hatte er sich nur so dermaßen in einem Menschen täuschen können? Unter Aufbietung all seiner Willenskraft zwingt er sich schließlich zur Ruhe. Immerhin ist er ja Parshan, er kennt beschissene Situationen, und kann mit Rotzbengeln sonst eigentlich auch ganz gut, weil er selbst einer war.


    Tiam? Könntest du bitte die Tür wieder öffnen? Ich fürchte, sie ist dir gerade versehentlich zugefallen.


    R O L L E N S P I E L:

    Besorgt lauscht er nach draußen. Gleichzeitig verflucht er gedanklich ein weiteres Mal den humorlosen Sicherheitsmann. Wenn der schon auf einen harmlosen Scherz so aggressiv reagiert, will Tiam gar nicht wissen, was passiert, wenn dem Kerl tatsächlich irgendwer Avancen macht!