Die Gärten der verlorenen Quellen

  • "Oh, ich fühle mich hier absolut sicher, keine Frage. Und nein, ich benötige Eure Dienste einstweilen nicht. Vielen Dank."


    R O L L E N S P I E L:

    Es folgt eine, von einem Lächeln begleitete Verneigung. Dann wendet sich MFC zwei kleinen Bronzefigürchen zu, die er aus einem Lederbeutel zückt.

  • R O L L E N S P I E L:

    Der Angestellte zieht sich zurück. Zwar war er versucht, seine seltsamen Gesprächserlebnisse mitzuteilen, aber er wurde für Verschwiegenheit bezahlt und Integrität zahlte sich mehr aus. Allerdings würde er an diesem Abend den Göttern danken, dass sie den Unsinn fremder Religionen aus dem heiligen Land fernhielten.

  • R O L L E N S P I E L:

    Am nächsten Morgen begehrt eine Delegation, angeführt von einem älteren Herren von kleiner Statur, aber kräftiger Gestalt und einem freundlichen Lächeln im Gesicht, das von einer Fülle schwarzer Haare halb verborgen wird, Einlass in das Gebäude zu einem vereinbarten Treffen mit dem Gast. Eine entsprechende Anfrage wird dem Ladiner nach dem Frühstück überreicht.

  • R O L L E N S P I E L:

    Der ältere Herr nickt dem Gast freundlich zu, hinter ihm holen die Begleiter zahlreiche Datenpads hervor.


    Mögen die Götter Euch segnen, ich bin Satrak Van, Sufi für Archäologie im Norden Nericas. Ihr wolltet über die Hinterlassenschaften des Altertums sprechen?

  • R O L L E N S P I E L:

    Er verneigt sich ebenfalls. Und stellt sich vor, obschon dies kaum nötig sein dürfte.


    "Marcus Flavius Celtillus. Historiker und Dozent. Es freut mich, dass Ihr Euch Zeit nehmt, meinen Wissensdurst bezüglich der Geschichte Futunas zu stillen. Ganz besonderes Interesse habe für etwaige Kontakte Futunas zu meinem Heimatkontinent Arethania. Offenbar gab es in der Antike auch Kontakte zu Chinopien, denn wir fanden die Überreste eines sehr wahrscheinlich chinopischen Handelsschiffes. Und mich interessiert daher natürlich auch, ob wir ebenfalls Kontakt zur futunischen Zivilisation hatten. Leider sind unsere Dokumente nicht immer hilfreich, denn die Vorfahren benutzten ganz andere Begriffe für Länder und Kulturen. Zum Beispiel berichten mehrere Bücher von einem Reich Algum. Von uns aus gesehen im Osten gelegen. Die Angaben sind nicht sehr genau."

  • Ich beschäftige mich in erster Linie mit der Archäologie hierzulande. Allerdings interessieren mich Eure Absichten mehr. Was erhofft Ihr Euch als Ergebnis des Erkenntnisgewinns? Spielt es eine Rolle, ob die Verbindungen bestanden, und wenn, wie stark diese waren? Wird dies die Forschung und gesellschaftliche Entwicklung beeinflussen? Ergeben sich daraus Barrieren, welche den Erwerb neuen Wissens behindern? Wird die Erfahrung durch diese Enthüllung geschwächt? Überlieferung und Geschichtsschreibung sind machtvolle Mittel der Regierungsgewalt und Sozialisierung. Wir sollten die blinde Anbetung von Wissen ohne Nachdenken den barbarischen Gesellschaften überlassen.


    R O L L E N S P I E L:

    Er breitet die Arme ein wenig aus.


    Was also wollt Ihr mit diesem Wissen erreichen?

  • R O L L E N S P I E L:

    Lächelt, denn mit einer solchen Reaktion hatte er beinahe schon gerechnet.


    "Herrschaftswissen...ja, so ist es. Würden wir nachweisen können, dass es bereits in sehr früher Zeit Kontakte zwischen den Zivilisation gab, lange bevor, beispielsweise in Antica, die Barbaren überhaupt auch nur etwas ansatzweise Vergleichbares schufen, dann wäre dies ein sicherer Fingerzeig im Umgang mit den hochmütigen unter den Barbaren. Ich hörte oftmals, unsere Zivilisationen neigten zum Isolationismus. Der Gegenbeweis wäre erbracht: Wir isolieren uns nicht, wir suchen nur Kontakt zu Allem und Jedem."


    Zitat


    Sehet her, Ihr Barbaren! In Antica mag es militärische und technologische Schwergewichte geben, zivilisiert sind nur einige Wenige.

  • Interessant. Die Ansichten der Barbaren sind Euch anscheinend wichtig. Warum ist das so? Ist Eure Kultur nicht angemessen gegen den Einfluss der Barbaren abgeschirmt? Wenn Ihr wünscht, kann Euch die Akademie gerne die Mittel zur Verfügung stellen, den Einfluss der Barbaren zu negieren.


    R O L L E N S P I E L:

    Der Mann scheint kurz zu überlegen, aber seine schnelle Bewegung, mit der er die nächste Tafel vorzieht, straft diese Geste Lügen.


    Nein, es gab keine Kontakte von Ladinien in das Alegonische Weltreich. Aber es gab diese wohl andersherum. Wenn auch nur indirekt. Die Expedition in den Orceanischen Raum strandete auf Ashur, der heutigen Hauptstadt - und Insel - von Lehim. Diese sah sich noch einige Zeit als Teil des Weltreiches an, weil die Reise gefährlich war und Kontakt möglich, wenn auch nicht sehr wahrscheinlich war. Und dann kam von dort natürlich auch ein Expeditionsdrang auf.


    Aber wir sprachen über den Einfluss der Barbaren. Soll dieser ausgeschaltet werden in Eurem Reich?

  • R O L L E N S P I E L:

    Er hebt erstaunt die Augenbrauen.


    "Einfluss der Barbaren? Ausgerechnet auf uns? Oh, da macht Euch keine Sorgen, unsere Zivilisation zeigt sich resistent gegenüber solchen "Einflüssen".

    Aber natürlich ist es uns wichtig, was sie denken, denn wenn wir sie unsererseits beeinflussen wollen, muss man sie kennen. Und ihnen Zahn der selbst erklärten Überlegenheit ziehen. Wir machen dies auf unsere Art: Äusserstt höflich und mit lächelndem Antlitz."

  • Das scheint sich zu widersprechen. Wenn die selbst erklärte Überlegenheit Euch nicht berührt, warum müsst Ihr diese dann untergraben oder angreifen? Hat es nicht mehr Vorteile, die Barbaren glauben zu lassen, was sie wollen und selbst anderer Ansicht zu sein? So erhebt Ihr die Ansicht der Barbaren auf eine höhere Stufe ohne dass diese das selbst erreicht haben.

  • "Sicher könnten wir das Überlegenheitsgefühl der Barbaren zu unserem Vorteil ausnutzen. Wir sehen es aber als unsere zivilisatorische Verpflichtung, meinethalben auch als Selbstverpflichtung an, den Barbaren voran zu gehen. Ihnen zu helfen. Dazu benötigen sie aber zunächst der Selbsterkenntnis.

    Die Baren sollen - und müssen! - lernen, dass ihre Wege falsch sind. Diese Kinder gehen mit der Welt um, als stünde ihnen eine zweite zur Verfügung.

    Natürlich handeln wir auch in eigenem Interesse: Eine Welt in Frieden und jenseits ideologischer, also künstlich gezogener Grenzen, ist auch für uns von hoher Bedeutung. Eine Alternative dazu wäre die erneute Selbstisolation. Wir glauben aber, dass wir nicht das Recht haben, der Welt unsere Zivilisation zu enthalten.

    Wir wollen, wie gute Eltern oder gute Geschwister, den Barbaren helfen. Und es gibt ja auch Anlass zur Hoffnung, wenn man sich zum Beispiel Pottyland als junge Kultur betrachtet. Auf der anderen Seite: Auch immer wieder Rückschläge. Beispielsweise Astor und deren Föderaten oder Klientelstaaten auch auf unserem Kontinent Arethanien, San Cristóbal und Veraguas."

  • Dann bedauere ich, dass wir Euch nicht bei dieser in meinen Augen verfehlten Mission helfen können. Im Gegenteil muss ich Euch darauf hinweisen, dass es unser ganzes Streben und Trachten ist, die Kulturen der Barbaren - außerhalb der wenigen, die Potential erkennen lassen und an einer Hand abzählbar sind - in den Ruin zu stürzen und deren Gesellschaften implodieren zu lassen. Das ist jedenfalls die Ansicht der Akademie von Persuna und uns steht der Großteil des Wissens zur Verfügung, um eine solch qualifizierte Aussage zu treffen. Es mag nicht die Ansicht der Hegemonialregierung sein, aber als Fraktion ist die Akademie teilsouverän und kann ihre Ziele verfolgen, wie sie will. Als Vertreter einer anderen Zivilisation weise ich Euch daher freundlich darauf hin, dass Ihr Euch in direkte Gegnerschaft begebt, wenn Ihr diesem Pfad weiter folgt. Wenn die falschen Kulturen der Barbaren im Staub liegen, können sie der Welt auch nicht mehr schaden.


    Hintergrund:

    Siehe dazu: Kultureller Wahnsinn

  • R O L L E N S P I E L:

    Sein Nicken kommt einer leichten Verneigung gleich.


    "Dann stelle ich zu meinem Bedauern einen gewissen...Interessenkonflikt fest. Möglicherweise wird mir ja eine andere fraktion bei meinen Forschungen behilflich sein.Ich sthe Euch aber jederzeit zu Gesprächen zur Verfügung..."

  • Gibt es denn eine andere Angelegenheit, die Ihr zu besprechen wünscht. Und ich bezweifle, dass jemand Euch bei einer Forschung helfen kann, für die, wie ich bereits ausführte, keine Grundlagen vorhanden sind, da es keinen Kontakt außerhalb Lehims gab.

  • "Nun, dann werde ich sammeln, was man mir Wissen über futunische Geschichte mitgeben mag. Der Stand der Forschungen und Techniken zum Thema Archäologie. Methoden der Altersbestimmung. Die C-14-Methode ist uns bekannt, wie auch andere, aber wir könnten Hilfe gebrauchen, solche Methoden selbst anzuwenden."

  • Offizielle Geschichtsschreibung der futunischen Zivilisation ist die Domäne der Akademie. Dagegen können zwar andere Fraktionen Einwände vorbringen, da es jedem Blutgeborenen offen steht, eigene Meinungen jederzeit zu äußern. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine andere Lesart als die unsere korrekt ist und alle Quellen, die wir angeben, sind daher immer absolut richtig. Natürlich können jene, welche nicht das heilige Blut in sich tragen, nicht alles von der offiziellen Geschichtsschreibung erfahren, aber gleichwertige Zivilisation erhalten mehr Einblick als Barbaren. Wünscht Ihr, dass wir Euch in der offiziellen Geschichte und den Methoden dazu unterrichten?

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