Die Gärten der verlorenen Quellen

  • Hintergrund:

    Oberhalb der heiligen Stadt Persuna - also faktisch mitten im Moloch der Außenbezirke - liegt das Residenzviertel für Gäste der Stadt, denn Grundbesitz gibt es im Kernreich nicht und jeder, der nicht gerade repräsentative Aufgaben hat, wohnt in einem Appartment - zumindest in den wohlhaben Staaten. Daher sind die hiesigen Villen allesamt für bestimmte Besucher vorgesehen, aber in typisch futunischer Art haben sie allesamt wenig schmeichelhafte Namen, da man solch einen Luxus ja ablehnt. Die betreffende Villa ist für den Gast aus Ladinien vorbereitet worden und gewährt einen Blick auf das weit unterhalb liegende Delta des Galis und auch das alte Flussbett des Bel, dessen Quellen sich hier befanden, bevor sie wegen der Villenanlage austrockneten. Der Hartlaubgarten wird derweil künstlich am Leben gehalten und die entsprechende Villa wirkt auch, als wäre sie aus dem All hierher versetzt worden, da sie mit allerlei Technik und Neuheiten aufgemacht wurde, so dass ein Gast das Innenleben mit ein paar Wortanweisungen bedienen könnte.

  • R O L L E N S P I E L:

    Der Gast wirkt ein wenig verloren. Er ahnt aber "jede Menge Technik", τέχνη im eturäischen, der Sprache seiner Mutter. Der Ausdruck bedeutet eigentlich "Kunstfertigkeit". Und da seine Vorfahren solche Technik als "göttlichen Funken" empfunden hätten, er aber ahnt, ja sogar sicher ist, dass es sich nicht um Magie handelt, spricht er, zögerlich, die Worte:


    "Ich hätte gerne ein Glas Wasser."


    R O L L E N S P I E L:

    Er wartet und geniesst die Aussicht.

  • R O L L E N S P I E L:

    Ein Angestellter bringt kurz danach das bestellte Wasser.


    "Wenn Ihr weitere Wünsche habt, sagt einfach Bescheid. Wir hören euch durch den Hausfunk außer in Eurem privaten Schlafgemach oder im Badezimmer. Sollte es dort einen Notfall geben, so misst das System auch Eure Biowerte und schlägt dann Alarm. Ihr seid also völlig sicher."

  • R O L L E N S P I E L:

    Er schaut recht erstaunt, jedoch ebenso zufrieden.


    "Habt Dank! Sagt, gibt es hier eine Möglichkeit, mich mit einigen Dingen, wie etwa..."


    R O L L E N S P I E L:

    MFC sucht ein fremdes Wort in eine Barbarensprache in seinem Gedächtnis. Und er wird fündig.


    "...Snäääcks? Und darf ich hier eine kleine Öllampe entzünden, ohne das ein Rauchalarm ausgelöst wird?"


    R O L L E N S P I E L:

    Man sieht es ihm an: Die letzte Frage meint er keineswegs spöttisch.

  • "Einige wenige futunische Spezialitäten wären mir sehr recht. Als Öl bevorzuge ich das Öl der Olive. Von zuhause habe ich etwas Olivenöl mitgebracht, mit dem ich eine Lampe füllen möchte. In einem Alkoven möchte ich diese Lampe zusammen mit den Statuetten von Minerva und Mercurius aufstellen und den Göttern und Ahnen meinen Dank ausdrücken."


    R O L L E N S P I E L:

    Aus einer Ledertasche holt er eine kleine, blassgrüne Karaffe, eine tönerne Lampe und zwei bronzene Statuetten der besagten Götter.

  • "Sehr gerne. Sollte es die hiesigen Götter nicht beleidigen, so fände ich es sehr schön, wenn zwei oder drei Bildnisse futunischer Götter und Ahnen hier ebenfalls aufgestellt werden würden, auf das ich auch ihnen die Ehre erweisen kann?"


    R O L L E N S P I E L:

    Für Ladiner ist es selbstverständlich, auch die Götter anderer Völker zu ehren. Vor allem dann, wenn diese besagten Völker wohl ebenfalls polytheistisch sind.

  • "Das könnte ein Problem werden. Abgesehen von wagen Formen bei Tiamat gibt es keine offiziellen Bilder futunischer Götter. Die wurden allesamt gestohlen. Ist wie beim Blutgesetz. Letztendlich ist das aber auch nicht so wichtig, da es sowieso nur unvollständige Vorstellungen menschlicher Geister von zeitloser Präsenz wären und die Bedeutungen wichtiger sind als das Antlitz."

    R O L L E N S P I E L:

    Der Angestellte schenkt dem Gast ein entschuldigendes Lächeln.

  • Ich verstehe. Ich glaube zu verstehen. Unsere Götter sind Numen. Personifizierungen ewig mächtiger Kräfte. So ist es also auch hier. Nun, ich werde versuchen die Götter und Ahnen dieses Landes zu ehren. Nach meinen besten Kräften. Und sollte ich einen Fehler begehen, ich bin sicher, die Numen und Ahnen dieses Reiches werden mir vergeben."


    R O L L E N S P I E L:

    Er erwidert dieses Lächeln. In gleicher Weise.

  • "Ich verstehe das nicht. Aber wenn Ihr meint. Unsere Götter sind sicher nicht ewig mächtig, sonst hätten die tyrannischen Zeitmagier sie zu Beginn der Zeit nicht von der Welt abhalten können. Es benötigte die Ankunft des ersten Wächters, Ga'algosh, um Zeit, Leben und Tod Bedeutung zu geben und Geschichte zu schreiben. Ohne diese Intervention der herabgesandten Teile der Schöpfung wäre Existenz niemals von Bedeutung gewesen."

  • "Die Götter Futunas sind also nicht allmächtig? Unsere ebenfalls nicht. Dennoch beten - also bitten wir um etwas. Do ut des lautet der Grundsatz. Ich gebe, damit Du gibst. Darum knien Ladiner nicht. Nicht einmal vor den Göttern.

    Aber: Welche Stellung nehmen die Götter hierzulande ein?"

  • "Unsere Götter sind vor allem Idealverkörperungen, die wir für uns als Vorbild nehmen. Also jeweils einen unsterblichen Heiligen der Ordnung und einen Erzdämonen des Chaos, um zwischen diese so gut es geht das Mittel zu finden. Gleichgewicht ist temporär möglich, Harmonie eine Illusion. Und knien muss sicher niemand, denn die Götter haben andere Aufgaben, aber die Blutgeborenen sind gleichwertig als Teile der Schöpfung."

  • "Ich denke, beide Zivilisationen sehen dies ähnlich. Der Mensch steht weder über noch unter den Naturgewalten. Er steht mitten darinnen. Einen gewissen Dualismus kennen wir auch, allerdings verkörpern sie sich für uns in scheinbaren Widersprüchen. Eines meiner Lieblingsbeispiele ist der Gott Merkur. Erschützt die Reisenden, die Händler - und die Diebe."


    R O L L E N S P I E L:

    Er lächelt verschmitzt.

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